Die 150-Einwohner-Gemeinde Langenrieth liegt sechs Kilometer von Mühlberg entfernt. Das Dorf ist im Vergleich zum hochwassergeplagten Mühlberg eher unbekannt, auch wenn das Thema nicht spurlos an dem Ort vorbeigeht. Hier haben die Ciezkis ihr Grundstück. Enten, Gänse, Hühner und zwei Schafe werden zurzeit gehalten. Auf diesem Fleckchen hat Petra Ciezki drei Kinder großgezogen.

Im Unterschied zu Frauen, die ihre Kinder nach 1991 geboren haben, musste es die gelernte Wirtschaftskauffrau - wie Tausende ältere Mütter in Deutschland - hinnehmen, dass sie von der Politik in Bezug auf ihre Rente benachteiligt wurde. Wie Wenke Saschowa von der Knappschaft Bahn See in Cottbus gegenüber der RUNDSCHAU erläutert, schlagen sich Kindererziehungszeiten für Mütter per Gesetz unterschiedlich bei der Rentenberechnung nieder.

Während jüngere Mütter 36 Monate anerkannt bekommen, sind es für die älteren Mütter nur zwölf Monate. Das heißt: Die einen erhalten drei Rentenpunkte zusätzlich für die Erziehung eines Kindes zuerkannt, die anderen aber nur einen Rentenpunkt. Wenn Politiker von Union und SPD davon sprechen, dass sie mit ihrem gerade ausgehandelten Koalitionsvertrag eine "Gerechtigkeitslücke" schließen, dann ist das nach Expertenauffassung zumindest ein erster Schritt. Denn, da zwölf Monate Kindererziehungszeit genau einen Rentenpunkt ausmachen und die Große Koalition den älteren Müttern die Zuwendungen um einen Rentenpunkt erhöhen will, so werden diesen Müttern künftig 24 Monate Kindererziehungszeit pro Kind zuerkannt. Eine Lücke zu 36 Monaten bleibt.

Ob die Neuregelung nur auf Mütter zutrifft, die bisher noch keine Rente beziehen, kann Wenke Saschowa nicht sagen. "Noch liegt nichts in Gesetzesform vor", betont die Abteilungsleiterin Rentenversicherung. Vorstellbar sei vieles, auch eine stufenweise Anhebung für Bestandsrentnerinnen. Aber noch könne keine genaue Auskunft gegeben werden. Wer also darauf hofft, dass die über 80-jährige Mutter von der "Mütterrente" profitieren könnte, der muss auf den Gesetzestext warten.

Petra Ciezki hat sich im Internet zumindest schon einmal angesehen, was die Neuregelung für sie ausmachen könnte. Zurzeit macht ein Rentenpunkt im Osten 25,74 Euro (im Westen: 28,14 Euro) aus. Bei drei Kindern wären das also mehr als 75 Euro mehr Rente. "Das ist wirklich sehr angenehm. Ich bin froh darüber", sagt die 56-Jährige, die seit 2002 bei der Agroland GmbH in Saxdorf die Buchhaltung und die Post macht. Das sei nur ein Fünf-Stunden-Job, "aber trotzdem bin ich dankbar, diese Arbeit über eine Schulfreundin gefunden zu haben".

Nach den eigenen drei Kindern helfe sie mit ihrem Mann, der schon immer auf Montage gearbeitet habe, inzwischen die zwei Enkel mit großzuziehen. "Mit Rente habe ich mich bisher noch nicht beschäftigt", gesteht Petra Ciezki ein. Bisher, sagt sie, könne sie nur mit 550 Euro rechnen. Da komme die Mütterrente gerade recht. "Noch lieber wäre es mir aber, wenn ich mit 63 ohne Abschläge in Rente gehen könnte."

Broschüre "Was wir

für Familien tun"

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knappschaftbahnsee