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Peter-Michael Diestel . . . DDR-Minister und Anwalt

Peter-Michael Diestel ist als Anwalt für scharfe Formulierungen bekannt. Wolfgang Schäuble und Gregor Gysi nennt er "meine Freunde", Angela Merkel die "stärkste politische Kraft", aber die Politik der CDU in Deutschland "einen Pudding, den man nicht an die Wand nageln kann. Winfried Wagner

" "Und das tut mir als Parteimitglied auch weh", erklärt er.

Er war von allen DDR-Innenministern am kürzesten im Amt - gehört jedoch zu den bekanntesten. In seiner Minister-Ära erfuhr die erstaunte Öffentlichkeit im Juni 1990, dass die DDR Mitgliedern der links-terroristischen Rote Armee Fraktion (RAF) Unterschlupf gewährt hatte. Heute wird Diestel 65 Jahre alt.

Diestel kam in Prora auf der Insel Rügen als Sohn einer Offiziersfamilie auf die Welt. Die Familie zog nach Leipzig, Diestel wurde erst Rinderzüchter. 1978 schloss er ein Jura-Studium an der Karl-Marx-Universität Leipzig mit Auszeichnung ab.

Auf die politische Bühne kam er erst in der Wendezeit. "Bei uns in der Wohnung in Leipzig wurde die Deutschen Soziale Union (DSU) gegründet", erzählt er. Die mithilfe der bayerischen CSU gebildete DSU schloss sich wenig später mit dem ebenfalls neu gegründeten Demokratischen Aufbruch und der alten Ost-CDU zu dem Wahlbündnis "Allianz für Deutschland", zusammen. Mithilfe von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) gewann es die erste freie Wahl in der DDR im März 1990.

Der daraus folgenden ersten demokratisch legitimierten DDR-Regierung unter Lothar de Maizière (CDU) gehörte Diestel als Innenminister und Vize-Ministerpräsident an. "Ich bin sehr stolz, die Bewaffneten in der DDR friedlich in die deutsche Einheit geführt zu haben", sagt er mit Blick auf Polizei und Staatssicherheit. Sechs Monate war er Innenminister. "Die Gestaltung der Einheit" bezeichnet er als den politischen Höhepunkt in seinem Leben.

Seine größte Niederlage sei gewesen, dass die CDU unter Kohl es ablehnte, viele Konservative unter den 2,4 Millionen SED-Mitgliedern aufzunehmen. Von denen hätten viele nun AfD gewählt.

Im Oktober 1990 führte Diestel als Spitzenkandidat die Brandenburger CDU in die Landtagswahl, unterlag aber Manfred Stolpe (SPD) und nahm auf der Oppositionsbank Platz. "Wir haben die brandenburgische Verfassung mitgeprägt", sagt der damalige CDU-Fraktionschef heute. Nach Spannungen in der Debatte um die Landesverfassung trat er im Mai 1992 zurück.

Schon 1990 eröffnete er Anwaltskanzleien in Potsdam und Leipzig, später kamen Kooperationen in Rostock und Hamburg dazu. Der Anwalt bezeichnet sich als einen konservativen Menschen und Christen. "Deshalb tun mir die weltanschaulichen Purzelbäume meiner Partei auch weh."