Mehr als 1000 Menschen aus der Region sollen hier Arbeit bekommen - ausgerechnet im Rohbau der gescheiterten Chipfabrik, dem in Stahlbeton gegossenen Symbol einer gescheiterten Ansiedlungspolitik. Seit Jahren des Abstiegs atmet die Stadt an der polnischen Grenze nun wieder etwas auf.
Oberbürgermeister Martin Patzelt (CDU) stand die Freude ins Gesicht geschrieben, geradezu lyrisch hob er an: "Nun bricht die Sonne aus den dunklen Wolken wirtschaftlichen Niedergangs hervor." Als vor drei Jahren die milliardenschwere Chipfabrik mit geplanten 1300 Arbeitsplätzen scheiterte, hatten die Frankfurter neben dem Rohbau noch ein Transparent über der Autobahn gehisst: "Hier stirbt der Aufschwung Ost." Die Stadt, die nach der Wende mit ihrem Halbleiterwerk 8000 Jobs verloren hatte, aus der die Bürger zu Tausenden fortzogen, versank in Depression.

Skeptisch aus Erfahrung
Die Ansiedlung von Conergy wurde daher sehr diskret vorbereitet. Als vor zwei Monaten etwas von 1000 neuen Arbeitsplätzen in der Chipfabrik durchsickerte, winkten viele ab. Die Frankfurter sind skeptisch geworden. Frankfurt (Oder) sei eine Solarstadt geworden, heißt es nun. In der Tat: Nach der Odersun AG und der First Solar GmbH ist Conergy das dritte Solarunternehmen in Frankfurt. Wenn alle drei bei ihren Ankündigungen bleiben, arbeiten in der Grenzstadt 2008 mehr als 1500 Menschen in der Branche. "Wir hoffen, die Arbeitskräfte hier in der Region zu finden", betont Conergy-Chef Hans-Martin Rüter.
Die Oderstadt profitiert von dem Boom in der Solarindustrie. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das die Einspeisung erneuerbarer Energien ins Stromnetz begünstigt, machte Deutschland nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) zu dem Land, in dem das meiste Geld in die Branche investiert wird - besonders im Osten, mit Unternehmen wie Ersol (Thüringen) und Q-Cells (Sachsen-Anhalt), die an der Börse wie Conergy schon den Sprung in den TecDAX geschafft haben. Nun sei auch Brandenburg Teil der Erfolgsstory, sagt BSW-Geschäftsführer, Carsten Körnig. Geholfen haben dabei auch Fördermittel: First Solar erhielt knapp 40 Prozent der Investitionssumme von der EU, Conergy hat 14 Prozent beantragt.
Unternehmensgründer Rüter ist überzeugt, dass die Nachfrage nach Solarmodulen weiter steigt, der Weltmarkt werde pro Jahr um 30 Prozent wachsen. Und er verkündet schon jetzt: "Wir werden hier mit Sicherheit mehr als die prognostizierten Arbeitsplätze schaffen, wenn der Weltmarkt das forciert."

Bisher Flops in Brandenburg
Platzeck und Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) feierten gestern die Ansiedlung wie den Auszug aus einem Tal der Tränen. Die Ansiedlungspolitik war - zumindest was die Großprojekte betrifft - eher von Flops wie dem CargoLifter und der Chipfabrik sowie der unter den Erwartungen gebliebenen Rennstrecke in der Lausitz geprägt. Jahrelang fuhr Junghanns an dem leeren Frankfurter Chipfabrik-Rohbau vorbei ins Ministerium nach Potsdam - ein ständiges Ärgernis. Nun sagt der Minister, die Halle strahle positive Energie aus.