Wer im Münsterland auf zwei Rädern unterwegs ist und einem kleinen grünen Burg-Symbol neben den rotbeschrifteten Wegweisern folgt, der begibt sich auf eine Reise vorbei an grünen Wiesen, saftigen Feldern und imposanten Gebäuden. Auf 960 Kilometern reihen sich 100 Schlösser und Burgen im nordwestlichen Westfalen aneinander.

Die Strecke führt durch die Kreise Borken, Coesfeld, Steinfurt, Warendorf, die Stadt Münster und weitere angrenzende Kommunen. Das Münsterland liegt im westfälisch-lippischen Teil von Nordrhein-Westfalen. Bis zum Wiener Kongress von 1814/15 war es in unzählige kleine Herrschaftsgebiete zersplittert. Das erklärt auch die Dichte der Schlösser und Burgen.

Besonders empfehlenswert für eine Tagestour ist die Route von Nordkirchen nach Lüdinghausen - ein rund 30 Kilometer langer Teilabschnitt des Südkurses der sogenannten 100-Schlösser-Route. Rund um Nordkirchen sehen Radfahrer viele Höhepunkte - der erste wartet direkt am Start mit der Besichtigung des "Westfälischen Versailles", wie das Schloss Nordkirchen auch genannt wird. Es liefert ein beeindruckendes Beispiel einer komplett erhaltenen Barockanlage, die auf einer von viereckigen Gräften umgebenen Insel inmitten eines rund 170 Hektar großen Parks liegt.

Das aus dem 18. Jahrhundert stammende Schloss, dessen Innenhof frei zugänglich ist, wurde von der Unesco als "Gesamtkunstwerk von internationalem Rang" für schutzwürdig erklärt. Über die "Pättkes" - ein vor allem im Münsterland verwendeter Ausdruck für kleine Trampelpfade - geht es im Anschluss entlang malerischer Landschaften mit Roggenfeldern, Ziegenwiesen und urigen Bauernhöfen über die kleine Stadt Selm nach Olfen - dem "Tor zum Münsterland", wie der Ort von den Bewohnern genannt wird. Die Strecke von Selm nach Olfen ist zwar gut ausgeschildert, führt jedoch einige Kilometer an einer Schnellstraße vorbei. Entschädigt werden Radfahrer allerdings durch den Anblick des Hauses Sandfort - eine ursprünglich umwallte Wasseranlage mit einem Herrenhaus aus dem 17. oder frühen 18. Jahrhundert.

Das Herrenhaus zeichnet sich durch den mit einer Barockhaube versehenen viereckigen Turm aus. Fortgesetzt wird die Route fernab der Schnellstraße über solide Radwege. Auch auf diesem Teilabschnitt gibt es kaum Steigungen - die Strecke ist zu Recht vom Münsterland Tourismus e. V. mit dem Schwierigkeitsgrad "leicht" eingestuft worden. An windigen Tagen sollte eine Mütze jedoch nicht fehlen, um die Ohren zu schützen. Gerade an Wegen, die an offenen Feldern vorbeiführen, kann es ganz schön böig werden.

In Lüdinghausen wartet die Burg Vischeling, die ihren wehrhaften Charakter trotz eines fast vollständigen Neubaus im 16. Jahrhundert weitgehend erhalten hat. Unter den zahlreichen Burgen und Schlössern des Münsterlandes ist sie eine der ältesten und sehenswertesten Anlagen. Umschlossen wird die Burg von original erhaltenen Wehranlagen wie Burgwall und Wassergräben.

Im Museum können Besucher Spannendes und Kurioses über die Geschichte des Bauwerks erfahren - auch eine 60-minütige Führung ist möglich. Einen Termin sollten Interessierte bereits im Voraus telefonisch unter Rufnummer (0 25 91) 79 90 11 vereinbaren. Kindern wird zudem ein museumspädagogisches Programm angeboten. Für diejenigen, die nicht den gleichen Weg vorbei an Wiesen und Feldern zurück zum Startpunkt Schloss Nordkirchen fahren möchten, gibt es eine alternative Route über die L835 und die L810. Der Vorteil: Der Weg ist nur neun Kilometer lang. Ein Tagesausflug, der also auch für ungeübte Radfahrer zu schaffen ist.

Zum Thema:
Der komplette Südkurs der sogenannten 100-Schlösser-Route ist etwa 210 Kilometer lang. Die Strecke führt über Münster, Everswinkel, Ascheberg, Drensteinfurt, Nordkirchen, Olfen, Lüdinghausen, Senden, Nottuln, Billerbeck, Havixbeck. Ein Einstieg in diesen Rundkurs ist an allen Orten der Strecke möglich. Weitere Informationen gibt es: muensterland-tourismus.de