Es habe insgesamt 13 Fälle von mutmaßlich "unsachgemäßer Behandlung" des Korans in dem Gefängnis auf Kuba gegeben, sagte der Leiter der Militär-Untersuchungskommission, General Jay Hood, in Washington.
Es gebe aber keinerlei glaubwürdige Beweise, dass ein Koran die Toilette heruntergespült worden sei, sagte der Leiter der Untersuchungskommission weiter. Dies hatten US-Medien unter Berufung auf Zeugenaussagen und US-Akten berichtet. Der Häftling, der diesen Vorwurf erhoben hatte, habe bei einer erneuten Befragung ausgesagt, dass er nie Augenzeuge einer Koranschändung gewesen sei, so der General. Nach seinen Angaben sollen in 15 Fällen auch muslimische Gefangene den Koran entweiht haben. So habe ein Häftling Seiten herausgerissen.

Proteste im Nahen Osten
In mehreren Ländern des Nahen Ostens haben gestern erneut tausende Menschen gegen die mutmaßliche Schändung des Korans im US-Gefangenenlager Guantánamo protestiert. Allein im ägyptischen Alexandria folgten rund zehntausend Menschen einem Aufruf der radikalislamischen Moslembruderschaft. Die Demonstranten hielten Banner mit Aufschriften wie "Boykottiert die Amerikaner, die den Koran geschändet haben" und "Wir opfern unser Leben der Verteidigung des Korans". In der Hauptstadt Kairo versammelten sich etwa eintausend Menschen nach dem Freitagsgebet im Hof der El-Ashar-Moschee. Mehrere Demonstranten zerrissen ein Porträt von Präsident Husni Mubarak und trampelten darauf herum.
In der jordanischen Hauptstadt Amman protestierten rund 1500 Menschen nach dem Freitagsgebet. Die Demons tranten skandierten Parolen gegen US-Präsident George W. Bush und forderten den Abzug der US-Truppen aus dem Irak und Afghanistan.

Kinder gehen auf die Straße
Tausende Libanesen und Palästinenser gingen auch an verschiedenen Orten im Libanon auf die Straße. In Beirut nahmen an den Demonstrationen auch Kinder teil, die Plastikwaffen und den Koran in der Hand hielten. Die schiitische Hisbollah-Miliz organisierte Kundgebungen in ihren Hochburgen im Süden der libanesischen Hauptstadt, in Baalbeck im Osten und in Tir im Süden.
Die US-Bürgerechtsbewegung Aclu hatte am Mittwoch gemeldet, dass Akten der US-Bundeskriminalpolizei FBI die Schändung des Korans in Guantanámo belegten. Gefangene hätten sich demnach im Frühjahr 2002 über Misshandlungen und die Entweihung des Korans beschwert. Ein Bericht der Zeitschrift "Newsweek" über Koranschändungen in Guantánamo war in der vergangenen Woche von der US-Regierung heftig dementiert worden. (dpa/AFP/kr)