Seit den Olympischen Spielen 2008 hat Peking keine internationale Veranstaltung dieser Größe und Bedeutung mehr ausgerichtet. Alleine die Delegation von US-Präsident Barack Obama soll mit sechs Flugzeugen zum Gipfeltreffen der 21 Pazifikanrainerstaaten (Apec) anreisen. Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich auch mit großem Tross angekündigt.

Zum Gipfel will sich China als makelloser Gastgeber präsentieren. Dafür greift Peking zu drastischen Maßnahmen: Staatsbedienstete werden in Zwangsurlaub geschickt und müssen dafür vor- und nacharbeiten. Schulen werden geschlossen, Fabriken müssen ihre Produktion stoppen und es werden Fahrverbote für Autos ausgesprochen.

Pekings oberster Polizist Guo Shengkun hat der Hauptstadt eine "absolute Sicherheit" während der Tagungen zwischen dem 5. und 11. November verordnet. Spezialeinheiten der Polizei wurden nach Peking beordert und die Zahl der bewaffneten Militärpolizisten aufgestockt. Gleichzeitig will die Stadt Freiwillige von Nachbarschaftskomitees mobilisieren, um jegliches verdächtige Verhalten unverzüglich zu melden.

Die ohnehin zahlreichen Sicherheitskontrollen in der Stadt wurden erweitert. Fast 200 Straßensperren wurden rund um Chinas Hauptstadt errichtet und 22 neue Kontrollpunkte aufgebaut. Das teilte die Polizei mit. Von einem Hubschrauber aus soll eine hochauflösende Kamera verdächtige Personen in der Innenstadt filmen.

Auf keinen Fall soll Peking während des Besuches der Staatsführer unter einer Smogdecke verschwinden. Deshalb wurden Fabriken eine Zwangspause verordnet - nicht nur in Peking, sondern auch in der umliegenden Provinz Hebei. Rund 2400 Produktionsstätten und knapp 2500 Baustellen stehen still.

Das werde den Giftcocktail aus Grob- und Feinstaub, Ozon, Schwefeldioxid, Stickoxiden und anderen Stoffen in der Luft um rund ein Drittel reduzieren, schätzen Behörden. Während der Gipfeltage dürfen zudem abwechselnd nur Autos mit gerader oder ungerader Zahl im Nummernschild fahren, um den Abgasausstoß zu verringern.

Die Auswirkungen auf die Wirtschaft in der Region könnten drastisch sein, befürchten Ökonomen. Die Effekte des erzwungenen Stillstands könnten so groß sein, dass sie die landesweite Produktion im November nach unten ziehen. Alleine die Stahlindustrie in der Provinz Hebei soll laut Schätzungen im November um zehn Prozent einbrechen.

Viele Firmenchefs reagieren darauf offenbar pragmatisch. Als vor einigen Wochen Details der Beschränkungen an die Öffentlichkeit durchsickerten, ließen laut Medienberichten viele Chefs in Hebei ihre Angestellten Sonderschichten einlegen, um die Produktion vor dem Zwangsstopp auf Hochtouren zu treiben.

Die Krux: Im Oktober litten die Bewohner in Hebei und Peking unter dem schlimmsten Smog seit Monaten. Trotz Warnungen der Stadtbehörde sagten die Organisatoren des Pekinger Marathonlaufs Mitte Oktober den Wettkampf nicht ab. Die 25 000 Läufer mussten sich die 42 Kilometer lange Strecke durch eine Wolke aus Smog bahnen. Manche besorgten sich Atemschutzmasken, andere brachen das Rennen vorzeitig ab.

Peking will um jeden Preis während des Gipfels Bilder von Wolkenkratzer hinter einer dichten Schicht aus Smog verhindern. Das Umweltministerium hat dafür 16 Teams von Kontrolleuren aufgestellt, die die Verbote überwachen sollen. Sie patrouillieren in Peking, Hebei und sogar in den weiter entfernten Provinzen Shangdong, Shanxi und Henan.

Aber trotz aller Anstrengungen legte sich in der Nacht auf Mittwoch wieder eine Smogdecke über die 20-Millionen-Metropole. Die Belastung mit dem besonders gefährlichen Feinstaub aus Partikeln, die kleiner sind als 2,5 Mikrometer (PM 2,5), stieg laut Zahlen der US-Botschaft zwischenzeitig auf 255 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Die Weltgesundheitsorganisation hält nur Werte bis 25 Mikrogramm für gesundheitlich unbedenklich. Aber noch ist Zeit: Obamas Flotte soll erst am Montag in Peking landen.