Bügeleisen, Bohrmaschine und eine Autobatterie stehen auf dem "Verkaufstresen". Auch Zigaretten, feine Nadeln und ein Seil werden symbolisch angeboten. Mit solchen Dingen aus dem Alltag werden Gefangene oder Festgenommene in Mexiko, Marokko, Mali, Nigeria, Usbekistan oder Somalia gefoltert und verstümmelt, wie eine Ausstellung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International in Berlin zeigt. Der "Stop-Folter-Shop" wurde am Montagabend zum Tag der Menschenrechte am Mittwoch eröffnet.

"Gerade in der Weihnachts-Shopping-Zeit wollen wir auf das Problem aufmerksam machen. Folter ist ein direkter Angriff auf die Menschenwürde", sagt Amnesty-Sprecher Ferdinand Muggenthaler. Das soll auch der "Folterkeller" verdeutlichen. In einem verdunkelten, leeren Raum hört der Besucher nur Stimmen. Eine beschreibt, wie ein Gefangener barfuß auf Beton stehen muss - stehen, stehen, stehen. Eine andere, wie der Kopf einer Frau unter Wasser gedrückt wird, Wasser, Wasser.

Vor 30 Jahren - am 10. Dezember 1984 - verabschiedeten die Vereinten Nationen die UN-Antifolter-Konvention. Es sei ein Meilenstein gewesen, heißt es bei Amnesty. Doch die Bilanz sei ernüchternd: In den vergangenen fünf Jahren hat die Organisation in 141 Ländern Folter und Misshandlung dokumentiert. "Das tatsächliche Ausmaß ist vermutlich größer."

Genaue Zahlen gebe es nicht. "Folter findet im Verborgenen statt"- meist staatlich gebilligt, aber nicht zugegeben, erläutert Sprecher Muggenthaler. Um Geständnisse zu erpressen, Macht auszuspielen, politische Gegner zu erniedrigen oder Geld zu erpressen. Auch mit vorgetäuschten Hinrichtungen, Isolation, Vergewaltigung und Schlafentzug würden Opfer massiv verletzt.

Ins Berliner Behandlungszentrum für Folteropfer kommen jährlich etwa 400 Überlebende von Folter und Kriegsgewalt aus mehr als 30 Ländern. Das Erlittene bewältigten die schwer traumatisierten Menschen nur schwer, heißt es auf der Internetseite des Zentrums. Es sei ein langwieriger Prozess, mit den körperlichen und seelischen Verletzungen leben zu lernen.

"In Deutschland kennen wir keine Folter-Fälle", so der Amnesty-Sprecher. Doch die Nationale Stelle zur Verhütung von Folter mit zehn ehrenamtlichen Mitgliedern müsse verstärkt werden. Praktisch als Schutzmechanismus soll das Gremium Bedingungen in Haftanstalten, psychiatrischen Krankenhäusern und Abschiebegefängnissen überprüfen. Nur 36 Einrichtungen hätten die Mitglieder 2013 schaffen können.

Die nichtstaatliche Organisation Amnesty setzt zum Internationalen Tag der Menschenrechte auch in diesem Jahr auf ihren Briefmarathon, um Regierungen und Gefängnisleitungen unter Druck zu setzen. Allein im Vorjahr forderten Menschen aus 80 Ländern mit 2,3 Millionen Briefen, Unrecht zu beenden und gewaltlose politische Häftlinge freizulassen. Aus Deutschland wurden rund 100 000 Briefe und Mails versandt. Mit Erfolg, wie Amnesty sagt: Zwölf Fälle standen im Mittelpunkt, vier Betroffene kamen frei. "Das ist eine große Kraft", sagt Muggenthaler.

Amnesty macht nun mit großen Tafeln überall in Deutschland und einem vorbereiteten Protestbrief unter anderen auf das Schicksal des inhaftierten Bloggers Raif Badawi aus Saudi-Arabien aufmerksam.

Wegen seiner Online-Plattform zu sozialen und politischen Themen wurde er wegen Beleidigung des Islam zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt. Tausende von Schreiben, die auf die Einhaltung der Menschenrechte pochen, ließen sich nicht ignorieren, appelliert Amnesty.