Wahrlich keine Rolle mit Starpotential.
An diesem Tag ist aber so ziemlich alles anders auf den Zuschauerrängen des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters in Bautzen. Hier sitzen nämlich keine Damen und Herren im mittleren Alter, mit Anzug und Krawatte. Nein, Kinder und Jugendliche zwischen acht und 16 Jahren bilden das Publikum. Und die haben schnell entschieden: Bodo ist Kult! Und so bricht jedes Mal, wenn der schmächtige Junge mit den Reitstiefeln und der Peitsche auf der Bühne auftaucht, ohrenbetäubender Jubel los.

Stück wird zum Selbstläufer
Allan Krause genießt diese Situation sichtlich. Der 14-Jährige besucht die Mittelschule in Bernstadt (Landkreis Löbau-Zittau) und ist Mitglied der dortigen Theatergruppe. Und er hat schnell mitbekommen, was das ebenso jugendliche Publikum zum Kreischen bringt: Der einfache, aber in unnachahmlicher Weise aufgesagte Satz: "Ich bin der Bodo, oh ja!" Wieder und wieder deklamiert er die Textzeile aus dem Musical "Das Mädchen mit den Katzenaugen."
Rainer Bieräugel kann sich entspannt zurücklehnen. Das unter der Regie des Deutschlehrers eingeübte Stück entwickelt sich nach anfänglicher Zurückhaltung zum Selbstläufer, und als sich die Darsteller am Ende auf der Bühne verabschieden, brandet frenetischer Beifall auf. "Wir bestellen jedes Jahr drei Stücke vom Münchener Theaterverlag, die Schüler entscheiden dann selbst, was sie einstudieren wollen", erklärt Rainer Bieräugel. 40 Jungen und Mädchen der siebenten bis zehnten Klassen an der Mittelschule Bernstadt spielen gemeinsam Theater, und die Premiere des aktuellen Stückes findet traditionell beim Schüler-Welt-Theatertag in Bautzen statt.

Unbekümmerte Spiellaune
Hier werden Stars geboren, die sich das vorher nie zu träumen gewagt hätten. Allan Krause zählt zweifellos dazu, aber auch David Slotta, David Spangenberg und Andreas Klaus von der Bautzener Jugendtanz- und -theatergruppe Ad Astra. Sie zeigen in ihrem Sketch "Die Rechenaufgabe" frische und unbekümmerte Spiellaune, auch hier tobt das Publikum und gibt immer wieder Szenenapplaus. Ein wenig anders äußert sich die Begeisterung bei der Aufführung "Der kleine Tiger und der kleine Bär kommen in die Schule" von den Erstklässlern der Freien Grundschule "Schkola" Ostritz. Die Besucher im Vorschulalter singen, tanzen und stampfen mit den Füßen, kurzum, sie werden zum Teil des Spiels.
Wenn die Sächsische Kunstministerin und Schirmherrin Eva-Maria Stange später über den Erfolg des Schüler-Welt-Theatertages spricht, dann hat sie ebenso wie alle Besucher nur einen Bruchteil der Aufführungen gesehen. Nicht weniger als 43 Schülergruppen mit 850 Darstellern beteiligten sich an der diesjährigen Auflage, verteilt auf 15 Spielstätten und vor 4500 Besuchern.