Das mit den grünen Tonnen hat nicht geklappt. Beweisen wollte Pegida damit, dass die offiziellen Teilnehmerzahlen bei den montäglichen Abendspaziergängen falsch seien. Nämlich viel zu niedrig.

Stattdessen stellten die Organisatoren am Montag die Tonnen auf. Jeder Teilnehmer sollte etwas hineinwerfen, irgendeinen Gegenstand. Doch beim Tonnensturz stellte sich Ratlosigkeit ein: Es fanden sich 3435 Euro in Münzen, 145 in Scheinen. Dazu kanadische Dollar, Markstücke, DDR-Geld und reichlich Abfall. Nach einigem Zögern verkündete Pegida-Anwalt Jens Lorek am Dienstag, er halte den Tonneninhalt "nicht für den wissenschaftlichen Beweis einer Teilnehmerzahl".

So gilt weiterhin die Messung der Dresdner Polizei. Die erklärte, dass 7700 Menschen beim 19. Abendspaziergang am vergangenen Montag mitliefen. So wiederholt sich auch ein Spiel, das seit Mitte Februar langsam einschlief: Die wöchentliche Kritik an der polizeilichen Schätzmethode bei den Pegida-Demos.

So ungenau die Zahlen auch sind, so klar lässt sich daraus sagen, dass Pegida wieder wächst. Seit Anfang Februar legen die "patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands" von Woche zu Woche zu. Zwar nicht mehr so rasant wie im Dezember, aber stabil.

Das Revival ist auch ein Erfolg für den Frontmann Lutz Bachmann. Der 42-jährige Werbeunternehmer mit krimineller Vergangenheit hat sich an die Spitze der Bewegung zurückgekämpft. Die kompromittierenden Facebook-Posts mit Hitler-Bärtchen, die Schimpftiraden gegen Asylbewerber schaden ihm im harten Kern von Pegida nichts. Auch Bachmanns Verurteilung wegen nicht geleisteter Unterhaltszahlungen nahmen die treuen Anhänger eher unaufgeregt zur Kenntnis.

Am Freitag hatte die Dresdner Staatsanwaltschaft ihre Berufung im Strafverfahren gegen Bachmann zurückgezogen. Damit wird ein Urteil von April 2014 rechtskräftig, das Bachmann zur Zahlung von 1600 Euro Strafe zwingt.

Am Montag stand der starke Mann von Pegida wieder am Mikro und teilte aus. An Sachsens Landtagsabgeordnete, deren Bezüge steigen sollen und deren Rentengrenze fallen soll. An die AfD, die laut Bachmann "ihre Bodenhaftung verloren" habe - obwohl sie als erste Partei mit den Pegida-Organisatoren gesprochen hatte.

Doch das allein verfängt nicht mehr beim Publikum. Die Organisatoren um Lutz Bachmann wissen, dass sie Spektakuläres bieten müssen, um in die Nachrichten zu kommen. Oder mindestens Possierliches. Deshalb klebten sie im Februar ihre zehn "Dresdner Thesen" an die Tür der Kreuzkirche. Deshalb die grünen Zähltonnen.

Deshalb auch die Ankündigung, einen eigenen Kandidaten in den Dresdner OB-Wahlkampf im Juni zu schicken. Diesen Kandidaten ist Pegida bis jetzt schuldig geblieben. Auch am Montag nannte Bachmann keinen Namen. Vertröstete stattdessen auf den 6. April. Dann, am Ostermontag, will Pegida in der Dresdner Flutrinne eine Großkundgebung für 30 000 Leute aufziehen.

Als Gastredner soll der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders auftreten. Dann soll auch der OB-Kandidat bekannt gegeben werden.

Ruhig geworden ist es dagegen um die einstige Pegida-Vize Kathrin Oertel. Ihr gemäßigtes Demo-Projekt "Direkte Demokratie für Europa" zog nur 500 Leute an. Oertel und ihr Mitstreiter Rene Jahn erklären dennoch: "Wir wollen nicht in den Verein Pegida e.V. oder in dessen Orgateam zurück!"