Zum zehnten Mal in Folge konnten die Dresdner Demonstrationen der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands" zulegen. Wenn auch nicht mehr so stark. An diesem Montagabend versammelten sich laut Polizei 17 500 Menschen vor der Semperoper. Zwei Tage vor Heiligabend sollte das Bekenntnis zur abendländischen Kultur diesmal durch ein Weihnachtssingen bereichert werden.

Doch so recht besinnlich wollte es nicht werden. Am Rande der beiden Demonstrationen kam es laut Polizei zu kleineren Rangeleien. Einmal bekam ein 17-Jähriger einen Schlag ins Gesicht, er wurde kurz ins Krankenhaus gebracht. Auf der Augustusbrücke nahm die Polizei zudem die Personalien von 19 Leuten auf, die Pegida-Teilnehmer beworfen haben sollen. Ansonsten registrierten die knapp 700 Beamten vor Ort keine Vorkommnisse bei der der zehnten Kundgebung.

Semperoper aus Protest dunkel

Die Semperoper schaltete um 18 Uhr das Licht aus, aus Protest gegen die Proteste auf dem Platz. Andere Gebäude zogen nach. So mussten die Reden des Pegida-Frontmanns Lutz Bachmann und anderer geladener Redner ohne Festbeleuchtung auskommen. Wie an den Montagen zuvor wetterte Bachmann gegen die "Lügenpresse" und die Politik. Allen voran gegen Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), der mit den Pegida-Köpfen nicht reden will. Tillich hatte am Sonntag erklärt, er sehe bei den Pegida-Organisatoren keine Gesprächsbereitschaft, wolle stattdessen die Anhänger der Proteste für einen Dialog gewinnen. Bachmann indes versuchte den diesmal über 17 000 Teilnehmern auszureden, auf Gesprächsangebote einzugehen. Die Politik solle stattdessen die Forderungen von Pegida erfüllen. Doch forderte Bachmann auch diesmal nichts Konkretes.

Der 41-jährige Dresdner - vorbestraft und nach eigenen Angaben Werbeunternehmer - rieb sich zwar lautstark an der "fehlerhaften und tendenziösen Berichterstattung" der Medien, griff aber gern auf ausgewählte Berichte der vergangenen Tage zurück. Wie auf den in der Bild-Zeitung, in dem der Grünen-Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour ein "tolles Zeichen des friedlichen Zusammenlebens der Religionen" vorschlug, nämlich dass "in der Kirche ein islamisches Lied gesungen würde und in der Moschee ein Weihnachtslied".

Ohnehin machte an diesem Montag wieder das Schreckgespenst einer "Islamisierung" Deutschlands die Runde. Die Angst, kein Weihnachten mehr feiern zu können, demnächst "in die Moschee zu müssen", wie wiederholt geäußert wurde. Mehrere Redner zählten Gräueltaten durch Islamisten auf der ganzen Welt auf und beklagten die Tatenlosigkeit der Politik.

Tausende Gegner

Derweil demonstrierten auf dem Schlossplatz in Sicht- und Hörweite 4500 Menschen gegen Pegida. Die hatte das Bündnis Dresden Nazifrei zusammengebracht. Das Bündnis "Dresden für Alle" verzichtete wegen Weihnachten auf Proteste und lud stattdessen zum Friedensgebet in der Kreuzkirche. Mehrere Hundert Menschen kamen.

Nächste Woche soll es keine Kundgebung geben, kündigte Bachmann auf der Bühne an. Pegida macht Weihnachtspause.

Zum Thema:
Bei den Dresdner Pegida-Demonstrationen hat sich der Umgangston der Anhänger nach Ansicht des Politikwissenschaftlers Werner Patzelt (Foto: dpa) verschärft. Insbesondere eine Rede habe an mehreren Stellen den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt, sagte Patzelt am Dienstag. Bei den Angriffen auf Bundespräsident Joachim Gauck, Kanzlerin Angela Merkel und Sachsens Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (beide CDU) merke man, "wie gigantisch die Kluft zwischen vielen auf der Straße und unserem politischen System ist", sagte er. Es gebe eine Spaltung zwischen "Die da oben" und "Wir hier unten". Das sei bedrückend. dpa/skl