Eine Woche nach Absage einer Pegida-Demonstration wegen einer Terrordrohung in Dresden hat das islamkritische Bündnis bei einer Kundgebung erneut Tausende Anhänger mobilisiert. Jedoch kamen nach Angaben der Polizei zu der Kundgebung auf dem Theaterplatz vor der Semperoper am gestrigen Sonntag mit 17 300 Teilnehmern knapp 8000 weniger als zuletzt bei der Demonstration der selbst ernannten "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) vor zwei Wochen. Damals hatte Pegida laut Polizei 25 000 Menschen in Dresden auf die Straße gebracht.

Es war die 13. Kundgebung der Pegida und die erste nach dem Rücktritt ihre Mitgründers Lutz Bachmann, der am vergangenen Mittwoch über ausländerfeindliche Facebook-Posts und ein Selfie mit "Hitler-Bärtchen" gestolpert war. Nur wenige Meter von der Kundgebung entfernt demonstrierten rund 5000 Menschen mit dem Bündnis "Dresden für alle" auf dem benachbarten Schlossplatz gegen die Ausgrenzung von Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe und Religion. Es kam zu kleineren Rangeleien zwischen Anhängern beider Lager. Die Polizei war mit starken Kräften im Einsatz.

Pegida hatte die Demonstration um einen Tag vorgezogen. Eigentlich gehen die Islamkritiker immer montags auf die Straße. Unter dem Motto "Offen und bunt - Dresden für alle" findet am heutigen Montag in Dresden jedoch ein Konzert gegen Fremdenfeindlichkeit mit zahlreichen Künstlern wie Herbert Grönemeyer statt.

Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel kritisierte bei der Kundgebung am gestrigen Sonntag die Organisatoren des Konzerts, die mit "Geld und Stars" nur zeigen wollten, dass Pegida "im direkten Vergleich verliert". Deshalb habe man die eigene Kundgebung auf den Sonntag verlegt. Anhänger der Pegida könnten so am Montag auch das Gratiskonzert besuchen, sagte Oertel.

Die 37-Jährige wies Berichte über eine Zusammenarbeit ihrer Bewegung mit der AfD zurück. Auch im Zusammenhang mit dem Rücktritt Bachmanns habe es keine Absprachen gegeben, sagte sie. "Pegida ist und bleibt überparteilich." Unter großem Beifall der Menge sprach Oertel von "Presse-Lügnern und Politik-Versagern" und kündigte eine Initiative für ein Bürgerbegehren zur Rücknahme der Polizeireform in Sachsen an.

Unterdessen widersprach Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich der Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU), wonach der Islam zu Deutschland gehört. Muslime seien in Deutschland willkommen und könnten ihre Religion ausüben. "Das bedeutet aber nicht, dass der Islam zu Sachsen gehört", sagte Tillich der "Welt am Sonntag". Kritik an den Äußerungen kam von Grünen, Linken und auch vom Koalitionspartner SPD. Der SPD-Landesvorsitzende und Wirtschaftsminister Martin Dulig verbreitete über Twitter: "Angela Merkel hat Recht. Der Islam gehört zu Deutschland. Das gilt auch für Sachsen."