Noch vor zweieinhalb Wochen sah alles nach einem Revival Pegidas aus. Bei der OB-Wahl in Dresden holte das Bündnis der Abendlandsretter aus dem Stand 9,6 Prozent. Ein Achtungserfolg für die bereits totgesagte Bewegung von der Straße. Doch ebendort wird Pegida immer kleiner. Laut Polizeiangaben versammelten sich an diesem Montag nur noch 900 Leute unter dem Pegida-Banner auf dem Dresdner Schlossplatz. Danach marschierte man über die Augustusbrücke auf die andere Elbseite und über die Carolabrücke wieder zurück. Zwei Stunden Abendspaziergang, 125 Polizisten reichten zur Absicherung. Am Montag davor waren es noch 1600 Pegidisten.

Basisdemokratie für alle

Um das Interesse wieder anzufachen, griff Vereinschef Lutz Bachmann diesmal zu einem bewährten Mittel. Laut Medienberichten kündigte Bachmann an, ein Bürgerbegehren auf Landesebene anzuschieben. Dieses soll für alle anschlussfähig sein, auch für die Linken, so zitierte ihn Mopo 24. Worum es dabei gehen soll, sagte Bachmann jedoch nicht. Er verwies dafür auf den nächsten sogenannten Abendspaziergang am kommenden Montag. Dann werde er Genaueres bekannt geben.

So hatte es der Pegida-Frontmann auch gemacht, als er im Frühling einen eigenen Kandidaten für die OB-Wahl ankündigte. Erst nach sechs Wochen war jemand Passendes gefunden. Niemand rechnete damit, dass Tatjana Festerling so gut abschneiden würde. 21 300 Dresdner gaben der ehemaligen Hamburger AfD-Funktionärin am 7. Juni ihre Stimme. Im zweiten Wahlgang am 5. Juli tritt die 51-Jährige nicht mehr an. Eine Empfehlung an ihre Wähler, dann für den bürgerlichen Kandidaten Dirk Hilbert (FDP) zu stimmen, nahm sie wieder zurück.

Neu: Pegida-Mitgliedsausweise

Damit ist das Wiederaufflackern von Pegida in Dresden auch wieder vorbei. Von den "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands" ist in den vergangenen Wochen nur noch der harte Kern montags dabei. Das öffentliche Interesse ist weg. Trotz Werbeoffensiven wie Bachmanns Thesenanschlag an die Dresdner Kreuzkirche, trotz einer Sitzblockade beim vorletzten Abendspaziergang. Zu Spitzenzeiten im Januar hatten die es auf 25 000 Teilnehmer gebracht, über die umstrittenen Demos wurde europaweit berichtet. Doch dann spaltete sich die Orga-Gruppe um den Werbeunternehmer Bachmann auf. Der versuchte noch einen großen Coup im April, als er den niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders zur Kundgebung an der Elbe einlud. Doch statt der 30 000 angekündigten Fans kamen nur 10 000. Auch das eine Größenordnung, die Pegida schon lange nicht mehr erreicht.

Um den Teamgeist der Übriggebliebenen zu stärken, druckt die Vereinsspitze jetzt Pegida-Mitgliedsausweise. Hunderte seien bereits fertig, ließ Bachmann auf seiner Facebook-Seite wissen.

Der Leipziger Ableger Legida brachte vor einer Woche noch 400 Anhänger auf die Straße. Legida kämpft gegen die Bedeutungslosigkeit ebenso wie gegen interne Absetzbewegungen. Frontmann Silvio Rösler hat seinen Austritt aus dem Orga-Team angekündigt. Marschiert wird in Leipzig erst wieder am 6. Juli.

In Eilenburg, östlich von Leipzig, fanden sich an diesem Montag 60 wackere Pegidisten zusammen. Doch die Gegendemonstranten waren beim dortigen "Gida-Regional" fast doppelt so viele.