() Auch die Kollegen vom Institut für Politikwissenschaft der TU Dresden gaben ein gemeinsames Statement ab, um den umstrittenen Professor zu unterstützen. Man sei zutiefst "erschreckt und empört", ließen die Jung-Politologen wissen. Den Brandanschlag auf Patzelts Auto in der Nacht zum Dienstag verstehe man als Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit: "Wie gering muss der Glauben einiger Weniger in die Kraft ihrer Argumente ausfallen, um zu solchen Mitteln zu greifen?"

Die Frage ist noch nicht geklärt. Nach dem Brand vor Patzelts Haus in Dresden ermittelt das Operative Abwehrzentrum der Polizei. Ein politisch motivierter Hintergrund werde "nicht ausgeschlossen", heißt es dort.

Patzelt selbst lässt derweil keinen Zweifel daran, welche Gruppen er hinter dem Anschlag vermutet. In einem langen Statement auf seiner Facebook-Seite verwies der 63-jährige Politikwissenschaftler auf eine Drohung gegen ihn auf der linken Website "Indymedia". Die Täter verortet er "in einer Wahnwelt, in der ausgerechnet ich ein Befürworter oder Förderer von Rassismus und Chauvinismus wäre".

Werner Patzelt, der Welterklärer mit den wilden Locken, war schon vor dem Aufkommen von Pegida ein bekanntes Talkshow-Gesicht. Doch ab dem Herbst 2014 war er plötzlich überall. Die Welt wollte wissen, wer diese Leute sind, die montags in Dresden demonstrieren, und was sie wollen. Der Politologe Patzelt bot Erklärungen. Er forderte die Gegner der selbsternannten Abendlandretter auf, "verbal, emotional und symbolisch abzurüsten" und sich sachlich mit den Demonstranten auseinanderzusetzen, "um ein weiteres Anwachsen der Bewegung durch Solidarisierungseffekte zu vermeiden".

Das gefiel nicht jedem. Schnell war der CDU-Mann Patzelt als "Pegida-Versteher" verschrien. Was er selber nicht versteht. Er sagt, er habe "von Anfang an" nur das beschrieben, "was der Fall war". Pegida, das war für ihn keine "lokale Ansammlung von Faschisten und Rassisten, die man leicht verscheuchen könne" - sondern die Spitze eines Eisbergs an Empörung in der Gesellschaft über Politiker und Politik.

In einer Studie von Anfang 2015 teilte der Wissenschaftler die Pegida-Anhänger in drei Gruppen: Zwei Drittel der Teilnehmer seien "besorgte Gutwillige", ein Drittel "rechtsnationale Xenophobe" und knapp ein Zehntel nennt er "empörte Gutwillige". Besorgt und empört - solche Analysen sorgten für Kopfschütteln in der Politik und auch für Gegrummel unter den Kollegen von der TU. Werner Patzelt machten sie nur noch bekannter. Nun brannte sein Auto ausgerechnet an einem Montag, nach einer Pegida-Demonstration, an deren Rande sich auch gewaltbereite linke Gruppen versammelt hatten. Der Chef der Linken, Rico Gebhardt, hat die Tat verurteilt, "sollte es sich hier um das Ergebnis eines politisch motivierten Anschlags handeln". Gebhardt sieht den Anschlag als eine "nicht hinnehmbare weitere Eskalationsstufe in der aus dem Ruder gelaufenen gesellschaftlichen Konfliktkultur".

Patzelt selbst macht sich Sorgen, dass der Unmut sich auch gegen seine Familie richten könnte. Sagte aber auch: "Ein klein wenig Zivilcourage aufbringen zu müssen, ist ja auch nicht zu viel verlangt von jemandem, der sich gern an öffentlichen Debatten beteiligt."