Das Kabinett habe nach SED-Art "wie eine abgehobene, satte Kaste" gehandelt, kritisierte der Leipziger SPD-Bundestagsabgeordnete Gunther Weißgerber. PDS-Vizechefin Barbara Höll erklärte, sich so arrogant wie Rößler über die Bevölkerung, den Stadtrat und die Uni-Leitung hinwegzusetzen, sei nicht hinnehmbar.
Rößler wies die Anwürfe zurück. Die Frage sollte nicht mit persönlichen Verletzungen verbunden, sondern offen und sachlich diskutiert werden. Die PDS-Landtagsfraktion fordert für Donnerstag einen Bericht des Ministers vorm Hochschulausschuss. Rößler sei der Drahtzieher der Aktion, so Fraktionschef Peter Porsch, der dem Minister undemokratisches Verhalten und Wortbruch vorwirft. Das umstrittene Grundstück für St. Pauli sei eindeutig im Besitz der Uni.
Unterdessen erklärte Uni-Kanzler Peter Gutjahr-Löser gegenüber der RUNDSCHAU grundsätzlich Gesprächsbereitschaft mit der Staatsregierung. Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) hatte einen Brief an die Uni angekündigt, um den Kabinettsbeschluss zu erläutern. Sollten sich neue, sinnvolle Argumente ergeben, werde man ein Gespräch nicht verweigern.
"Aber ich sehe die Argumente zurzeit nicht", sagte Gutjahr-Löser. Für die Alma mater ist ein Wiederaufbau der Kirche mit dem Campusneubau bisher unvereinbar, da sie die Flächen stark einschränke. Offen ließ Gutjahr-Löser eine Rückkehr zu den Verhandlungen um den Hochschulkonsens. Dies hänge auch vom Brief Milbradts ab. "Wir werfen die Tür nicht zu." Leipziger Wissenschaftler müssten aber von weiteren Stellenkürzungen ausgenommen werden, da sie im Landesvergleich die meisten Studenten zu betreuen hätten. Der Senat hatte eine Teilnahme an den Gesprächen "bis auf weiteres" ausgesetzt.
Unklar ist derweil die Nachfolge des zurückgetretenen Uni-Rektors Volker Bigl. Auf einer Sondersitzung des Konzils der Hochschule am 23. April werde ein neuer Rektor gewählt, so Gutjahr-Löser. Bereits am 11. März stelle der Senat eine Liste mit maximal drei Bewerbern auf. Da bisher ein Chemiker und ein Mediziner das Amt inne hatten, gilt als denkbar, dass jetzt ein Dekan aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich gewählt wird. Die reguläre Neuwahl steht im November an.