Der neue Flughafenchef Hartmut Mehdorn denkt offenbar darüber nach, den Berliner Flughafen Tegel auch nach der Eröffnung des Großflughafens BER offen zu lassen. "Wir müssen darüber nachdenken, ob wir Tegel schließen müssen", sagte Mehdorn an seinem ersten Arbeitstag im Sonderausschuss des Brandenburger Landtags zum Großflughafen BER. Seiner Ansicht nach wäre eine Offenhaltung Tegels etwa für den Charterverkehr durchaus denkbar, um auch beim Thema Fluglärm "die Lasten gleichmäßig zu verteilen".

Ungläubiges Staunen

Derzeit spricht freilich der Planfeststellungsbeschluss für den BER gegen solche Szenarien. Dort ist festgehalten, dass der Flughafen Tegel ein halbes Jahr nach der Eröffnung des Großfughafens geschlossen werden muss.

Entsprechend ungläubig reagierten die im Ausschuss versammelten Landespolitiker auf die Äußerungen des neuen Flughafenchefs. "Wir werden ja alle jeden Tag schlauer", sagte Mehdorn als Antwort auf eine erstaunte Nachfrage von Christian Görke (Linkspartei). "Heute ist es ja so, dass dieses halbe Jahr wirksam ist - was ja nicht heißt, dass wir durch andere Umstände dazulernen können, vernünftiger werden können und darüber nachdenken können, ob es nicht eine andere Lösung geben kann."

Doch Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) wies den neuen Flughafenchef schon an seinem ersten Arbeitstag in seine Schranken. Nachdem ihm SPD-Fraktionschef Ralf Holzschuher mit einer entsprechenden Frage den Ball zugespielt hatte, beeilte sich der Landesvater, für Klarstellung zu sorgen: "Sie können davon ausgehen, dass dieser Planfeststellungsbeschluss so gut wie in Eisen gegossen ist", sagte der Ministerpräsident. Er sei eindeutig, und daraus könne man ableiten, dass Tegel Geschichte sei, wenn der Flughafen BER eröffnet sei.

Es werde ein halbes Jahr zwischen der Eröffnung des BER und der Schließung von Tegel geben. "Alles andere ist nicht verhandelbar, das gilt", sagte Platzeck. "Aber wir sehen es Herrn Mehdorn an seinem ersten Arbeitstag nach, dass er das noch nicht übersehen kann." Zuvor hatte sich Mehdorn auch für weitere Investitionen am Flughafen Tegel ausgesprochen. Der Berliner Stadtflughafen sei "viel zu klein, schlecht und miserabel ausgestattet". Derzeit würden dort "mehr Menschen durchgeschleust, als in Tegel zugelassen sind", so Mehdorn. "Wenn da mal einer bösartig um die Ecke gucken wollte, wird das sehr schnell an Grenzen führen." Die Toiletten seien in Tegel viel zu klein, die Gepäckbänder am Ende. "Und von Schönefeld spreche ich erst gar nicht", so der frühere Air Berlin-Manager. "Da wird mir übel."

Im Streit der Flughafengesellschaft mit seinem früheren Arbeitgeber sprach sich Mehdorn für einen ausgewogenen Vergleich aus. Er selbst wolle aber aus Befangenheitsgründen an den Verhandlungen nicht teilnehmen.

Debatte über Baumängel

Diskutiert wurde am Montag auch die in den Medien genannte Zahl von 40 000 Baumängeln. Technikchef Horst Amann wies diesen Wert vor den Abgeordneten als "Muster ohne Wert" zurück. Es gebe zwar eine Liste mit rund 26 000 Punkten: Dabei handele es sich jedoch nicht um Mängel, sondern in 95 Prozent der Fälle um Kabel, die durch Wände geführt werden und noch nicht richtig abgeschottet sind.

"Wir sollten nicht verwechseln, was Mängel sind und was Dinge sind, die wir noch fertigstellen müssen." Keine nennenswerte Debatte gab es dagegen zur Absage des als Flughafen-Chefs vorgesehenen Wilhelm Bender, der nach einer Veröffentlichung von Gehaltsdaten der Flughafengesellschaft absagte. "Wie diese Zahlen das Licht der Öffentlichkeit erblickt haben, wüsste ich auch gerne", so Platzeck. "Das war sehr unschön, wie immer, wenn es um personenbezogene Daten geht."