Wie ist die Rechnungsstellung derzeit geregelt?

Seit dem Jahr 2005 erhält der Kassenpatient für bestimmte zahnärztliche Leistungen nur noch einen Festzuschuss von seiner Krankenkasse. Dieser deckt ungefähr die Hälfte der Kosten für eine Standardversorgung ab. Was darüber hinausgeht, muss der Versicherte aus eigener Tasche bezahlen. Will der Patient eine aufwendigere Behandlung, wird es für ihn noch teurer. Denn in diesem Falle kann der Zahnarzt die Leistung komplett nach der Gebührenordnung für Privatversicherte abrechnen, was ihm ein deutlich höheres Honorar beschert.

Wie wirkt sich die Rechnungsstellung zum Beispiel bei einer Krone aus?
Zur Kassenleistung zählt eine Krone, die nur an der Außenseite zahnfarben ist. Die Kaufläche ist metallisch. Nach Angaben des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen kostet eine solche Leistung insgesamt rund 344 Euro. Davon bekommt der Zahnarzt 143 Euro als Honorar. Der Festzuschuss für den Patienten liegt bei 171 Euro. Er zahlt also 173 Euro zu. Entscheidet sich der Patient dagegen für eine vollkeramisch verblendete, also komplett zahnfarbene Krone, dann entstehen nach der privaten Gebührenordnung Gesamtkosten in Höhe von 502 Euro. Davon stehen dem Zahnarzt 252 Euro als Honorar zu. Das sind 109 Euro mehr als bei der gesetzlichen Kassenleistung. Der Patient zahlt statt 173 nun 331 Euro zu.

Wie haben sich die Honorare entwickelt?

Nach Angaben des Spitzenverbandes der gesetzlichen Kassen rechnen die Zahnärzte inzwischen 76 Prozent ihrer Leistungen über die private Gebührenordnung ab. Durch diese Verlagerung weg vom Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen hat sich der Eigenanteil der Versicherten zwischen den Jahren 2005 und 2009 je nach Fall um zehn bis 14 Prozent erhöht.

Was wollen die Kassen ändern?

Derzeit erhalten die Kassen keine Rechnungen über zahnärztliche Privatleistungen, für die sie zwar nicht selbst aufkommen müssen, an denen sie sich aber letztlich mit Zuschüssen beteiligen. Deshalb wollen sie nun auch diese Rechnungen kontrollieren. Dies soll zum einen der Qualitätsprüfung dienen, zum anderen aber auch verhindern, dass die Preise zu sehr differenzieren. Gefordert werden gesetzliche Möglichkeiten, in Verträgen mit Zahnärzten Höchstsätze für zahnärztliche Leistungen nach der privaten Gebührenordnung auszuhandeln.

Woraus resultieren die Preisunterschiede?

Wie der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Karl Lauterbach, gegenüber der RUNDSCHAU erklärte, ist nach der privaten Gebührenordnung praktisch jeder einzelne Handgriff abrechenbar. "Es gibt enorme Preisunterschiede für vergleichbare Leistungen. Einige Ärzte kassieren ihre Patienten systematisch ab, während andere gerechte und angemessene Preise verlangen", so Lauterbach.

Wie kommt der Vorstoß an?

Das Bundesgesundheitsministerium will den Vorstoß der Kassen prüfen. Das erklärte ein Sprecher auf Anfrage. Bei den Zahnärzten stoßen die Pläne auf Ablehnung. Die Versicherten hätten bereits "volle Kostentransparenz" bei der Abrechnung der privaten Leistungen, sagte der Vorsitzende der Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, Jürgen Fedderwitz. Dagegen stellte sich SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach hinter die Kassen.