"Er tut mir leid, weil er sich nicht so bewegen kann wie wir", sagt Waltraud Gaugusch, die sich in der Spezialklinik von einem Schlaganfall erholt. "Das ist ein Manko", findet die 57-Jährige. Denn der Kontakt zu den Mitpatienten, die sich bei jedem Fortschritt mitfreuen, sei wichtig. Begegnet sei sie dem Spitzenpolitiker bisher nur beim Gottesdienst und im Fitnesszentrum. Der 50-jährige Regierungschef, der bei einem Skiunfall am Neujahrstag in der österreichischen Steiermark ein schweres Schädel-Hirn-Trauma davontrug, wird in der Klinik auf einer Anhöhe mit Seeblick streng abgeschirmt und von Personenschützern bewacht. An allen Ecken auf dem weitläufigen Areal mit fünf Patientenhäusern hängt das Schild: "Film- und Bildaufnahmen innerhalb des Klinikgeländes sind ausdrücklich untersagt." Klinik-Geschäftsführer Bruno Crone sagt: "Auch Herr Althaus würde gern auf dem Klinikgelände herumlaufen, dazu wäre er körperlich in der Lage." Dass der Patient, der seit dem 16. Januar am Bodensee wieder für seinen anspruchsvollen Job fit gemacht wird, gesundheitlich sehr gute Fortschritte erzielt, bestätigt auch der behandelnde Arzt und Chef der Neurorehabilitation, Prof. Joachim Liepert (46). "MDR-Nachrichten guckt er", erzählt er. Nach und nach besuchten ihn nun auch Angehörige. Politiker jedoch nicht, das sei nicht sinnvoll, sagt Liepert. Voraussichtlich sei Althaus in der ersten Märzhälfte vernehmungsfähig. Gegen Althaus ermittelt die Staatsanwaltschaft im österreichischen Leoben wegen fahrlässiger Tötung. Beim Zusammenprall des Ministerpräsidenten auf der Skipiste mit der 41-jährigen Beata Christandl hatte die Frau tödliche Kopfverletzungen erlitten. So bleibt Althaus in erster Linie sein Zimmer in einem der Patientenhäuser am Waldrand. "Er ist untergebracht wie andere Patienten auch", erklärt Crone. Ein Sonderwunsch wurde aber erfüllt: Seine Frau Katharina teilt mit ihm das Zimmer. Dass eine schöne Umgebung den Heilungsprozess unterstützt, davon war schon Klinik-Gründer Prof. Friedrich Schmieder überzeugt. Der Neurologe hatte nach dem Zweiten Weltkrieg mit hirnverletzten Soldaten in Gailingen am Hochrhein begonnen, dort 1950 die erste Klinik eröffnet und damit die Grundlage für eines der größten europäischen Spezialzentren für Hirnverletzungen gelegt.