„Der Verdacht bleibt, aber auf einen bloßen Verdacht hin darf niemand verurteilt werden“, sagte der Vorsitzende Richter Ulrich Chudoba in der Urteilsbegründung.

Den acht Männern und vier Frauen im Alter von 38 bis 64 Jahren war zur Last gelegt worden, den fünf Jahre alten Jungen im September 2001 im Hinterzimmer einer Bierkneipe vergewaltigt und getötet oder Beihilfe zu der Tat geleistet zu haben. Den Angeklagten sei weder Schuld noch Unschuld nachgewiesen worden, sagte der Vorsitzende Richter. Von Pascal fehlt bis heute jede Spur.

Die Staatsanwaltschaft, die unter anderem lebenslange Haftstrafen für fünf Hauptangeklagte gefordert hatte, kündigte umgehend Revision beim Bundesgerichtshof an. Die Freisprüche seien „nicht nachvollziehbar“, hieß es. Der Anwalt einer Hauptangeklagten sagte, die rechtsprechende Gewalt habe die Verantwortung mit einem „Freispruch dritter Klasse“ an die Bevölkerung abgegeben. Er befürchte nun, dass die Bevölkerung jetzt meine, „diese Gewalt selbst ausüben zu dürfen“.

Der Vorsitzende Richter sagte, dem Gericht erscheine es durchaus möglich, dass sich die Tat im Wesentlichen so abgespielt habe, wie in der Anklage formuliert. In vielen Punkte spreche „mehr für als gegen die Anklage“. Weil es aber „keine zweifelsfreie Überzeugung“ gebe, gelte der Grundsatz „Im Zweifel für die Angeklagten.“

Die Kneipenwirtin Christa W. wurde wegen eines mitverhandelten Drogendelikts zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Sie hatte für ihren Sohn Drogen ins Gefängnis geschmuggelt. Die Staatsanwaltschaft hatte die 54-Jährige als Drahtzieherin und als die „zentrale Figur“ einer Kinderschänderbande bezeichnet.

Die Hauptverhandlung hatte vor knapp drei Jahren begonnen und endete nach 148 Verhandlungstagen. Mehr als 400 Zeugen wurden vernommen. Bereits im Juni 2006 hatte das Gericht wegen Zweifeln am Mordvorwurf die Haftbefehle gegen alle Angeklagten ausgesetzt. Die Eltern von Pascal starben während des Prozesses: seine 46-jährige Mutter im Juni 2005 nach unbestätigten Zeitungsberichten an einer Hirnblutung, sein 50 Jahre alter Vater nur kurze Zeit später an einem Herzinfarkt nach einer Schlägerei.

Als Reaktion auf das Urteil forderte die Deutsche Kinderhilfe Direkt mehr Rechte für Kinder als Verbrechensopfer vor Gericht. „Unser Rechtssystem ist auf Kinder als Opfer oder Zeugen in Strafprozessen nicht hinreichend eingestellt“, teilte die Organisation in Berlin mit. Die Freisprüche für die Angeklagten in Saarbrücken bedeuteten einen „schwarzen Tag“.