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Party oder Angst? Teenie-Konzerte nach Manchester

Tochter und Mutter: Lara Woitge und ihre Mutter Silke Woitge von der Insel Rügen stehen am 24.05.2017 vor der Mercedes-Benz-Arena in Berlin um ein Konzert der Girlband Little Mix zu besuchen.
Tochter und Mutter: Lara Woitge und ihre Mutter Silke Woitge von der Insel Rügen stehen am 24.05.2017 vor der Mercedes-Benz-Arena in Berlin um ein Konzert der Girlband Little Mix zu besuchen. FOTO: Thomas Bremser (dpa)
Belrin. Wenige Tage nach dem Attentat von Manchester warten in Berlin junge Fans auf die britische Band Little Mix. Die Teenager freuen sich auf das Konzert. Aber in Gedanken sind sie bei den Opfern. dpa/bob

Sie sitzen schon Stunden vor dem Einlass in der Schlange, sie spielen Karten, hören Songs auf ihrem Smartphone. Eigentlich alles so wie immer bei einem Teenie-Konzert. Die teils noch sehr jungen Mädchen warten am Mittwoch vor der Berliner Mercedes-Benz-Arena auf die Girlband Little Mix. Gelöste Stimmung, es ist der erste Gig der britischen Teenie-Idole in der deutschen Hauptstadt. Rund 4500 Tickets sind verkauft. Aber eines ist dann doch anders bei Berliner Konzert.

„Meine Mutter will, dass ich mich sofort melde, wenn das Konzert vorbei ist. In der Halle hat man kaum Empfang“, erzählt Šukrije Idrizi. „Nur kurz anklingeln oder eine SMS schreiben, das reicht ihr schon.“ Die 20-Jährige und ihre Freundin Annika haben schon im November die Tickets gekauft, keine Sekunde haben sie daran gedacht, nicht zu kommen. „Ich habe das Geld dafür schließlich gespart.“

Begeistert davon waren ihre Eltern nach den tragischen Ereignissen in Manchester nicht. „Mein Vater meinte: "Bist du dir wirklich, wirklich sicher, dass du dort hin willst? Ich will dich nicht auch verlieren".“ Aber sie kenne die Halle wie ihre eigene Westentasche, sei schon bei fast 20 Konzerten dort gewesen. „Mittlerweile wird man ganz genau durchsucht und abgetastet.“

Seit dem vergangenen Jahr stehen an den Eingängen Metalldetektoren wie an Flughäfen. Größere Taschen und Rucksäcke sind verboten. Der Konzertveranstalter Semmel Records gibt an, alles für die Sicherheit der Besucher zu tun, aber: „Den öffentlichen Raum, also zum Beispiel die Zugangswege zu Veranstaltungsstätten, größere Vorplätze oder Haltestellen für öffentliche Verkehrsmittel, sind leider außerhalb unseres direkten Einflussbereiches.“ Genau dort hatte der Attentäter von Manchester zugeschlagen.

Silke Woitge begleitet ihre Tochter zu dem Konzert. „Es ist dramatisch und schrecklich, aber wir sind beide der Meinung, dass wir uns nicht im Wohnzimmer verstecken wollen“, sagt die Rügenerin. „Wir hoffen einfach, dass heute und auch in nächster Zeit nichts passiert.“ Die 16-jährige Lara, im schwarzen Fanshirt, will sich die Vorfreude auf ihre Idole nicht nehmen lassen. „Ich habe schon im Hinterkopf, dass was passieren könnte. Aber ich versuche das Beste daraus zu machen und Spass zu haben.“

Die vier „Little Mix“-Sängerinnen sind zwischen 23 und 25 Jahren alt und bei Teens seit Jahren beliebt. Sie wandeln in ihrer Heimat auf den Spuren der Spice Girls. Freche Texte, knappe Bühnen-Outfits und radiotaugliche Songs („Shout Out To My Ex“, „Love me Like You“) sind die Erfolgsformel.

Ähnlich wie US-Sängerin Grande, mit der sie gemeinsam auf Tour waren, vermitteln die Britinnen ein selbstbewusstes Frauenbild und ziehen das gleiche Publikum an: jung, enthusiastisch, meist weiblich und treu. Auch in diesen schweren Tagen.

Einige Eltern wollten ihren Kindern zunächst verbieten, zu dem Konzert in Berlin zu kommen, erzählen sie. Am Ende sehen es aber die meisten wie Silke Woitge: „Wir müssen den Kindern zeigen, dass wir uns davon nicht verängstigen lassen. Dass heute alle kommen und gemeinsam feiern, ist ja auch ein Zeichen.“ Auch in der Mercedes-Benz-Arena geht die Party weiter. Am Freitag kommt US-Superstar Bruno Mars.