Lagerwahlkampf - das ist die ganz große Zuspitzung, die Zerteilung der Wählerschaft in die einen und die anderen, die Linken und die Rechten oder, je nach Blickwinkel, die Guten und die Bösen. Zu Deutsch: Schwarz-Gelb oder Rot-Grün. Und genau ein solcher Lagerwahlkampf zeichnet sich nach den zurückliegenden Parteitagen von CDU und SPD und den Reden ihrer Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Peer Steinbrück für 2013 ab. Allerdings gibt es Warner.

Angela Merkel hatte am Dienstag in Hannover erklärt, dass mit der FDP für ihre Union die Schnittmengen klar am größten seien. Sie wolle das jetzige Regierungsbündnis erneuern. Und Peer Steinbrück sagte am Sonntag vor jubelnden Sozialdemokraten, dass er Rot-Grün wolle und sonst nichts. Vor allem eine Große Koalition sei mit ihm nicht zu machen. Das Bekenntnis Steinbrücks freute gestern vor allem die Grünen. Mit ihrem Parteitag hätten die Sozialdemokraten in den Wahlkampfmodus umgeschaltet, lobte Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin und hob in einer gemeinsamen Erklärung mit Co-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt Steinbrücks "klare Aussage" gegen ein Bündnis mit der Union hervor. Parteichefin Claudia Roth hingegen hat offenbar Rest-Misstrauen gegen die Sozialdemokraten. Sie sagte, in diesem Wahlkampf gehe es in Wahrheit um Große Koalition oder Rot-Grün. Vorentscheidend ist aus ihrer Sicht die Landtagswahl am 20. Januar in Niedersachsen. Gewännen dort SPD und Grünen, dann würden bundesweit schon 50 Millionen Menschen von einer solchen Konstellation regiert - ein klares Signal, es auch im Bund so zu machen.

Indirekt war auch die FDP froh über Steinbrücks Rede. Der habe sich in Hannover dem linken Flügel seiner Partei zugewandt und damit von der FDP weiter entfernt, sagte der liberale Parteichef Philipp Rösler auf die Frage, ob jetzt einer Ampel-Koalition wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher geworden sei. Ähnlich Generalsekretär Patrick Döring. Es gebe nur noch "ganz, ganz wenige Schnittmengen" mit der SPD, erklärte er. Man konnte die Erleichterung förmlich spüren, denn Steinbrück hatte den Liberalen in den letzten Wochen vorsichtige Avancen gemacht. Jetzt ist der Frontverlauf wieder deutlich. "Es wird klar werden, worum es bei den Wahlen im nächsten Jahr geht: eine Fortsetzung der erfolgreichen christlich-liberalen Stabilitätspolitik oder ein Wechsel zu rot-grüner Schuldenmacherei", sagte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle.

Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef und erfolgreicher Wahlkämpfer Wolfgang Kubicki warnte dagegen genau vor einer solchen Strategie. "Ich empfehle meiner Partei dringend, von einem Lagerwahlkampf Abstand zu nehmen", sagte Kubicki. Die FDP solle stattdessen lieber stärker auf Distanz zur Union zu gehen und sich ein Ampel-Bündnis offen halten. Kubicki: "Für mich ist jede Regierung mit FDP-Beteiligung besser als ohne FDP-Beteiligung."