Der Politiker aus der Uckermark gehört seit sechs Jahren diesem Gremium an: Es verhandelt über Bürgereingaben an den Landtag - denn wie in allen deutschen Bundesländern können sich auch in Brandenburg Bürger, die sich von staatlichen Stellen ungerecht behandelt fühlen, darüber beim Landtag beschweren.

Im ersten Jahr der neuen Legislaturperiode nutzten mehr als 51 000 Menschen dieses Recht, insgesamt 719 Petitionen gingen von Oktober 2014 bis Oktober 2015 beim Landtag ein. Die drei häufigsten Themenfelder waren dabei die Situation in den Gefängnissen, im Schulbereich sowie Fragen des Naturschutzes.

"Brandenburgs Behördenlandschaft ist sehr stark von Spezialisierung geprägt", sagt Wichmann. "Jeder versucht, sein eigenes fachliches Problem zu lösen." Der Blick für das "große Ganze" gehe dabei oft verloren. Als Beispiel nannte der CDU-Politiker den Fall einer Allee im Uckermärkischen Boitzenburg. Dort sei die Straße wegen mangelnder Standsicherheit der Bäume nicht mehr benutzbar gewesen. Ein Fällen der jahrelang nicht beschnittenen Bäume scheiterte aber vor dem Eingreifen des Petitionsausschusses am Naturschutz: "Man sagte, dass das Totholz sei, und dort ein Käfer lebe, der auf das Totholz angewiesen sei", so Wichmann. "Der Käfer kann aber auch im Totholz leben, wenn der Baum gefällt ist und neben der Straße liegt."

Nach dem Ortstermin wurden die nötigen Baumpflegearbeiten vorgenommen. "Der Naturschutz hat einfach nur den Käfer gesehen", sagt Wichmann. "Es fehlte der Blick dafür, dass da eine Straße ist, die die Menschen auch benutzen wollen. "

Eine Erfahrung aus der Beschäftigung mit den Petitionen sei, dass Vor-Ort-Termine oft zu Lösungen führten. "Behörden sind oft zu weit weg von den konkreten Problemen", so Wichmann. "Ihre Stellungnahmen sind oft fachlich richtig und gut begründet - aber beim Blick auf das Problem vor Ort sind manchmal auch andere Lösungen denkbar." Geradezu legendär ist im Parlamentsbetrieb mittlerweile die Diskussion über die Mensa der Voltaire-Gesamtschule in der Landeshauptstadt geworden: Hier hatten sich die Schüler mehrfach darüber beschwert, dass die Sitzplätze beim Mittagessen nicht für alle ausreichen und deswegen sogar vor dem Landtag demonstriert. Nach einem Ortstermin des Petitionsausschusses fanden Umbauarbeiten statt, durch die nun mehr Platz für die essenden Schüler zur Verfügung steht.

"Verwaltung ist kein Selbstzweck", erklärt Wichmann. "Sie leitet sich vom Bürger ab und ist für den Bürger da - deswegen sollte sich Verwaltung nicht hinter Paragrafen verstecken, sondern eine gewisse Sensibilität im Umgang mit dem Anliegen der Bürger haben."