Die oppositionelle Linke forderte eine klare Absage an jegliche Privatisierung. Die Bahn müsse vollständig im Eigentum des Bundes bleiben. Die CDU beharrte auf einer Privatisierung. Darüber hinaus müsse es eine strikte Trennung von Netz und Betrieb geben.
Der Bund will den Betrieb privatisieren, formal das Netz aber zunächst behalten. Wirtschaftlich würde jedoch die Bahn über das Netz verfügen. Private Investoren wollen mit der öffentlichen Infrastruktur Geld verdienen, sagte Dellmann am Rande der Sitzung. Zugleich wolle der Bund jährlich rund 2,5 Milliarden Euro pro Jahr für die Infrastruktur zuschießen, ohne dass festgelegt sei, was er dafür bekomme. Das sei nicht akzeptabel.

Schon jetzt verzeichne die Bahn Gewinne in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro, die Unterhaltung der Netze und Bahnhöfe werde jedoch vernachlässigt, kritisierte Dellmann. Hier müssten zunächst die öffentlichen Zuschüsse gesenkt werden.
Die Verkehrsexpertin der Fraktion Die Linke, Anita Tack, bezeichnete die Pläne des Bundes als Riesenskandal. Volksvermögen in Höhe von mehr als 100 Milliarden Euro solle "verhökert" werden. "Die Gewinne werden privatisiert, die Risiken bleiben bei der öffentlichen Hand. Es ist höchste Eisenbahn, dass dieser Entwicklung Einhalt geboten wird." Einer Umfrage zufolge seien zwei Drittel der Bundesbürger gegen einen Börsengang der Bahn.
Der CDU-Verkehrsexperte Wilfried Schrey sprach sich dafür aus, den Bahnbetrieb zu privatisieren und die Infrastruktur beim Bund zu behalten. Dies sei aber momentan nicht durchsetzbar. Wenn die Bahn weiterhin Zugriff auf das Netz habe, könnte es zu "kalten Streckenstilllegungen" kommen. Sein SPD-Amtskollege Jens Klocksin sagte, er halte eine Teilprivatisierung für falsch. (dpa/ta)