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| 02:42 Uhr

Parkomanie und Eistorte – Pückler in Bonn

FOTO: Christian Taubert
Bonn/Cottbus. Der Gartenfürst Pückler in Bonn: Die Ausstellung "Parkomanie – die Gartenlandschaften des Fürsten Pückler" wird von Experten mit Superlativen bedacht: Meilenstein, Sensation, Jahrhundertmensch, heißt es. Und was sagen Besucher der Schau in der Bundeskunsthalle und des Gartens auf dem Dach? Christian Taubert

Es regnet in Strömen an diesem Samstagnachmittag in Bonn. Bei dem Wetter jagt man keinen Hund vor die Tür, sagt der Volksmund. Wer Pückler und seine Gartenkunst in Augenschein nehmen will, dem können die Regenwolken offenbar aber nichts anhaben. "So ist das hier an jedem Wochenende", sagt die Dame am Eingang zur "Parkomanie"-Ausstellung. Zwar gebe es heute keine Schlange vor der Ausstellungshalle und dem Dachgarten. Über das Pückler-Eis hinaus mache die "Parkomanie" offenbar aber neugierig, mehr über diesen Fürsten zu erfahren.

"Da bin ich ganz ehrlich", sagt Petra Körner, "der Landschaftsgärtner Fürst Pückler hat mich überrascht." Die Mittvierzigerin wohnt in Düsseldorf. Ihre Joggingrunde führe sie oft zu Schloss und Park Benrath. Aus ihrer Sicht eine tolle Anlage. "Ich bin also etwas vorbelastet", so die Besucherin, die mit Freundinnen in die Bundeskunsthalle gekommen ist. "Welche Ideen Pückler hatte und wie er sie in Bad Muskau und Branitz umgesetzt hat, hat mich sehr beeindruckt."

Obwohl Petra Körner im sächsischen Freiberg geboren ist, räumt sie ein, über Branitz und Bad Muskau jetzt erst einmal googeln zu müssen. "Wo diese Orte genau liegen, das habe ich in der ganzen Ausstellung nicht entdeckt. Eine Landkarte wäre gut gewesen." Zunächst hat ihr der Autor dieses Artikels weitergeholfen. Für den Bonner Klaus Stellmacher wäre das ebenfalls eine leichte Übung gewesen. Denn der pensionierte Kriminalbeamte ist schon ein halbes Dutzend Mal in diesen Parks gewesen.

Das hat natürlich einen besonderen Grund: "Wir haben im Urlaub auf Zypern ein Cottbuser Ehepaar kennengelernt und sind Freunde geworden. Seit Jahren besuchen wir uns gegenseitig." Das Paar in Cottbus wohnt am Rande des Branitzer Parkes. Kein Wunder, dass Stellmacher beinahe Pückler-Experte geworden ist. Die Ausstellung werde seiner Meinung nach dem Wirken des Fürsten als Gartenkünstler gerecht und gebe ihm zu Recht diese große Bühne. Der Bonner habe jedoch den Eindruck, "dass sich nahezu alles, was über Pückler bekannt ist, in der Schau widerspiegelt. Es ist aus wenig viel gemacht worden".

Eine Wahrnehmung, der die Kustodin der Pückler-Stiftung Branitz Simone Neuhäuser entgegnet: "Parkomanie richtet den Blick auf den Garten- und Landschaftsgestalter." Pückler als Schriftsteller und sein Bezug zur Literatur oder der Fürst als Reisender - diese Facetten würden reichlich Stoff für Folgeausstellungen bieten, erklärt Simone Neuhäuser.

Die "ungewohnten Dimensionen" bei den Parkgestaltungen mit dem Umsetzen großer Bäume haben Barbara Penner beim Rundgang durch die Schau beeindruckt. "Das muss ein umtriebiger Mann gewesen sein", schildert die Bonnerin ihren Eindruck von jenem Fürsten, den sie bisher nur mit Eis in Zusammenhang gebracht habe. Für das Pückler allerdings nur seinen Namen gegeben hatte. "Eigentlich wollte ich mir nur den Garten auf dem Dach ansehen. Aber bei diesem Regen."

Der ist nach dem Parkomanie-Rundgang, für den zwei Stunden und mehr mit kostenlosem Audioguide nötig sind, strahlendem Sonnenschein gewichen. Inklusive gefühlter 100 Prozent Luftfeuchtigkeit. Den Bonnerinnen Jutta Heß und Birgit Zimmermann macht das nichts aus. Sie fotografieren Blumen, Stauden, Kräuter und sind begeistert von dem blühenden Areal auf dem Dach. "Was wollt ihr bei Pückler. Da gibt´s doch nur Eis", hatte Heß' Mutter die jungen Frauen von der Fahrt zur Bundeskunsthalle abhalten wollen.

Jutta Heß ist froh, "dass wir uns nicht abbringen lassen haben. Es ist ein Erlebnis, über den Dächern von Bonn große Bäume aus Pücklers Baum-Universität in Branitz eingepflanzt zu sehen". Und, sagt Jutta Heß: "Wir gehen dann auch noch ins Restaurant - und kosten die Pückler-Eistorte. Um meiner Mutter zu berichten."

Mehr zu Ausstellung, Dach-Garten und Service:

bundeskunsthalle.de

Zum Thema:
Ein genialer Gartenkünstler wird wiederentdeckt: Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871), eine der schillerndsten Persönlichkeiten seiner Zeit. Seine nach englischem Vorbild angelegten Landschaftsparks in Bad Muskau/êknica (Unesco-Weltkulturerbe), Babelsberg (als Teil der Potsdamer Kulturlandschaft ebenfalls Unesco-Welterbe) und Branitz zählen zu den Höhepunkten europäischer Landschaftsgestaltung im 19. Jahrhundert. Diesen drei bedeutendsten Gartenanlagen des Fürsten und den damit verbundenen innovativen Ideen widmet die Bundeskunsthalle diese Ausstellung. Pückler begriff den Garten, wie er es selbst formulierte, als eine "begehbare Bildergalerie", in der alle paar Schritte eine zum Kunstwerk idealisierte Natur immer wieder Überraschendes bot.