"Als ich in Armut lebte, führte sie das Leben einer Prinzessin im Blauen Haus." Wahltaktik, aber auch Verbitterung spricht aus den Worten des südkoreanischen Oppositionspolitikers Moon Jae In. Der 59 Jahre alte frühere Menschenrechtsaktivist hatte das während des Kampfes um das Präsidentenamt über seine größte Rivalin von der regierenden Saenuri-Partei, Park Geun Hye, gesagt. Die 60 Jahre alte Tochter des früheren Militärdiktators Park Chung Hee siegte am Mittwoch bei der Präsidentenwahl gegen Moon knapp.

Mehr als 30 Jahre nach ihrem Auszug aus dem Präsidentenpalast in Seoul kehrt Park nun in neuer Funktion zurück - im Februar wird sie als erste Frau im höchsten Staatsamt des Landes vereidigt. 1979 wurde ihr Vater von seinem Geheimdienstchef erschossen. Wenige Jahre zuvor hatte schon ihre Mutter ein ähnliches Schicksal erlitten; sie wurde bei einem Attentat ebenfalls erschossen. Danach übernahm die Tochter symbolisch die Rolle der First Lady.

Park Geun Hyes Herkunft und Geschichte spielten eine große Rolle bei den Wählern. Ihr Vater wird noch in großen Teilen der Bevölkerung verehrt. Besonders die Älteren erinnern sich an den rasanten wirtschaftlichen Aufstieg unter Park Chung Hees Kommandowirtschaft. Dass er dabei schwere Menschenrechtsverletzungen beging, wird oft verdrängt.

Im jetzt auch als Lagerwahlkampf verstandenen Rennen um die Präsidentschaft verstand Park Geun Hye eine Mehrheit des eigenen Lagers zu sich zu ziehen. "Ich denke, der wichtigste Grund am Ende der Kampagne war, dass es unter ihren Unterstützern einen größeren Zusammenhalt gab", sagt Woo Jung Yeop vom Asan-Institut für politische Studien in Seoul. Das konservative Lager habe "die Gefahr gespürt, die Macht an die Liberalen zu verlieren".

Doch auf Park warten jetzt große Herausforderungen. "Als Präsidentin muss sie in den nächsten fünf Jahren die politische Szene erneuern. Das ist eine Forderung der Öffentlichkeit", sagt Woo. Viele befürchten, dass auch mit Park die alten Verflechtungen von Wirtschaft und Politik nicht aufgebrochen werden. Park hatte wie Moon "wirtschaftliche Demokratisierung" versprochen. Dazu gehöre eine gerechtere Verteilung des Wohlstands. Ihre Pläne, die Macht der großen Industriekonzerne (Chaebols) zu beschränken, fallen dabei allerdings nicht so radikal aus wie bei Moon. Zudem wird von ihr eine Stärkung der Frauenrechte erwartet.

Auch außenpolitisch übernimmt sie von Lee kein leichtes Erbe. Ganz oben steht der Umgang mit dem kommunistischen Nordkorea. Ein Raketenstart vergangene Woche in Nordkorea hat in Südkorea Ängste vor einer Verschärfung der Spannungen verstärkt. Schon befürchtet Südkorea, der Norden könne im neuen Jahr einen weiteren Atomtest unternehmen. Park will stärker als Lee auf Nordkorea zugehen und gegenseitiges Vertrauen aufbauen. So visiert sie ein Treffen mit Nordkoreas jungem Machthaber Kim Jung Un an. "Sie wird allerdings erklären müssen, warum sie die Gesprächsfäden mit dem Nachbarland aufnehmen will", sagt der Vertreter der Friedrich-Naumann-Stiftung in Seoul, Lars André-Richter, mit Blick auf den Raketenstart.