Offenbar war der Polizist in Zivil am späten Donnerstagabend in der Nähe des Prinzenpark-Stadions einem Fan des israelischen Clubs Hapoël Tel Aviv zur Hilfe gekommen. Laut Augenzeugen soll der dunkelhäutige Beamte auch selbst Ziel rassistischer Beleidigungen gewesen sein. Der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë forderte, "Rassismus und Antisemitismus in der Umgebung der PSG-Anhänger zu bekämpfen".
Der Todesschütze hatte nach Angaben der Polizei den israelischen Fan schützen wollen, der nach der 2:4-Niederlage des Hauptstadtvereins gegen Tel Aviv von etwa 150 PSG-Anhängern bedrängt, "geschlagen und verletzt" worden war. Der Polizist versprühte nahe des Stadions am südwestlichen Rand von Paris Tränengas und ging selbst zu Boden. Beim Aufstehen habe der Beamte von seiner Dienstwaffe Gebrauch gemacht. Dabei feuerte er demnach nur einen Schuss ab und traf damit laut Polizei zwei PSG-Fans. Ein 24-Jähriger starb an seinen Verletzungen. Ein 26-Jähriger wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Sein Leben sei "nicht mehr in Gefahr", hieß es bei der Polizei.
Der tödliche Zusammenstoß habe in einem "Zusammenhang der Gewalt mit vielen rassistischen Beleidigungen" gestanden, erklärte die Polizei. Fünf festgenommenen Fans würden "rassistische und antisemitische Beleidigungen" vorgeworfen. Der Todesschütze wurde von der Polizei-Dienstaufsicht vernommen.
Mehrere hundert PSG-Fans hätten den zunächst nicht als Polizist zu erkennenden Beamten dunkler Hautfarbe verfolgt, berichtete Philippe Broussard vom Nachrichtenmagazin "L'Express", ein Augenzeuge und Hooligan-Experte. Die zumeist sehr jungen Rowdys hätten "Das ist ein Bulle" und "dreckiger Neger" gerufen, berichtete der Journalist, zudem "Blau, weiß, rot - Frankreich den Franzosen" - eine Parole der fremdenfeindlichen Partei Front National. Die beiden Opfer waren demnach bekannte Gesichter in der bei rechtsextremen PSG-Anhängern beliebten Prinzenpark-Fankurve "Boulogne".
Der Reporter sah den Beamten, wie er vor einer Horde Fans zurückwich und diese mit einer Tränengas-Kartusche abzuwehren versuchte. Mit den Worten "Bleib' hinter mir, bleib' hinter mir" habe der Mann den Tel-Aviv-Fan geschützt, sei dann aber selbst "in Panik geraten". Dutzende Personen hätten sich "wegen seiner Hautfarbe" auf den Polizisten gestürzt, betonte Broussard. In der Nähe des Busbahnhofs Porte de Saint-Cloud sei der Polizist von Angreifern eingeholt worden. Aus etwa 50 Metern Entfernung hörte der Reporter den Ruf "Er hat eine Knarre, er hat eine Knarre", gefolgt von einem Schluss. Der Schütze flüchtete in ein Schnellrestaurant, dessen Scheiben von wütenden Hooligans zertrümmert wurden. Polizei und Rettungswagen trafen den Angaben zufolge erst nach langen Minuten ein.
Polizeigewerkschafter machten geltend, der Beamte habe offenbar in Notwehr gehandelt: Der Einsatz von Tränengas habe nicht ausgereicht, um die Hooligans abzuwehren, sagte Frédéric Lagache von der Gewerkschaft Alliance. "Er hat Angst um sein Leben gehabt." Der Mann habe "aus Verzweiflung" geschossen. Joaquin Masanet von der Polizeigewerkschaft UNSA-police sagte im Radiosender France Info, "Rassisten" hätten den von den Antillen stammenden Beamten angegriffen. (AFP/lh)