Wochenlang warb Frankreich wortgewaltig für eine schlagkräftige internationale Truppe im Südlibanon unter seiner Führung. Schließlich beschert der Konflikt Paris unverhofft die Chance, als einflussreicher Akteur auf die Bühne des Nahen Ostens zurückzukehren, wo es von Washington verdrängt worden war. Doch jetzt, wo es ernst wird, schreckt Präsident Jacques Chirac zurück. Statt 2000 oder 3000 Elitesoldaten setzt er zunächst nur 200 Pioniere in Marsch. Und statt Kampfpanzer und Jagdbomber schickt er 15 Behelfsbrücken aus dem Zweiten Weltkrieg.
Chiracs Zurückhaltung findet in Frankreich breite Zustimmung. Zu hoch wird das Risiko eingeschätzt, bei einem schlecht vorbereiteten Einsatz einen hohen Blutzoll zu zahlen, ohne etwas bewirken zu können. "Wir werden hier die Hauptzielscheibe", erklärt ein Offizier. Da helfe auch Chiracs Versuch nicht, gleichen Abstand zu Amerikanern und radikalen Muslimen zu wahren: "Die Hisbollah weiß, dass wir in Afghanistan an der Seite der Amerikaner kämpfen."
Hinter der Hisbollah stehen Syrien und der Iran - und mit allen hat Frankreich in seinem einstigen Mandatsgebiet Libanon traumatische Erfahrungen gemacht. Syrien wird verdächtigt, hinter den Morden am französischen Botschafter Louis Delamarre 1981 und an dem mit Chirac befreundeten Ex-Ministerpräsidenten Rafik Hariri 2005 zu stehen. Und die Hisbollah soll 1983 in iranischem Auftrag in Beirut den Anschlag verübt haben, bei dem 58 französische Fallschirmjäger starben.
Die Vorstellung, französische Truppen könnten die Hisbollah entwaffnen und so "die Drecksarbeit" für Beirut oder gar Tel Aviv erledigen, erscheint den Franzosen absurd. "Man wird die Waffen finden, die man findet", sagte Außenminister Philippe Douste-Blazy " vieldeutig. Für die Entwaffnung der Schiitenmiliz sollen die libanesischen Streitkräfte zuständig sein, in denen viele Schiiten dienen. Die Unifil soll dann unter dem Dach einer - noch zu findenden - politischen Regelung den Frieden sichern.
Damit der Militäreinsatz nicht "zur Katastrophe" werde, brauche die Unifil einen klaren Auftrag und eine massive Ausrüstung, erklärt Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie. Eine Lage wie in Bosnien, wo die Franzosen 71 Soldaten verloren, dürfe sich nicht wiederholen. Für Bosnien hatten die UN-Truppen kein Recht auf Waffeneinsatz nach Kapitel VII der UN-Charta. Auch in den Resolutionen zur Unifil ist von Kapitel VII nicht die Rede. Beklagen kann sich Paris über den Resolutionstext zwar nicht: Der Kompromiss stammt wesentlich aus Pariser Feder. Doch er gilt nur als erster Schritt. Zudem will Chirac arabische und muslimische Staaten beteiligen, damit die Unifil nicht als Parteigänger "des Westens" gegen "die Muslime" erscheint. Die Welt dürfe "die heiße Kartoffel nicht allein den Franzosen überlassen, die von einigen Europäern und unvermeidlichen Fidschi-Blauhelmen unterstützt werden", mahnt der "Figaro".
Wenn alle Bedingungen erfüllt sind - klares Mandat, starke Bewaffnung und Recht auf Waffeneinsatz, breite Staatenkoalition, politische Regelung -, dann könnte Frankreich tatsächlich das "Rückgrat" einer 15 000 Mann starken Unifil stellen. Selbst bei seinem Angebot, die neue Unifil zu führen, macht Frankreich einen halben Rückzieher. Paris stehe "zur Verfügung", bis das Mandat des französischen Unifil-Kommandeurs General Alain Pellegrini ende, erklärte Alliot-Marie. Und das läuft im kommenden Februar aus.

Zum Thema Flugzeuge und Schiffe
 Die Pläne der Bundesregierung für den deutschen Beitrag zur Friedenssicherung im Nahen Osten nehmen Gestalt an. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) kündigte gestern die Entsendung von sechs Transportflugzeugen an. Die Marine soll sich an einer multinationalen Eingreiftruppe zur Überwachung der libanesischen Küste beteiligen. Denkbar sei auch, dass Tornados der Luftwaffe teilnehmen. Die Bundespolizei soll bei der Grenzsicherung zum Einsatz kommen, aber nicht selbst Patrouille fahren. Die Opposition bekräftigte ihre Bedenken gegen die Pläne.