Nach dem Baden im Neuendorfer See haben alle Mitglieder einer neunköpfigen Familie einen juckenden Ausschlag bekommen. Da die Urlauber am Dienstag im Lübbener Ortsteil Hohenbrück ins Wasser gesprungen waren, ordnete das Gesundheitsamt des Landkreises Dahme-Spreewald sofort eine Untersuchung an. "Die Labormitarbeiter haben vor Ort Schnecken eingesammelt, diese untersucht und massenhaft Zerkarien gefunden", sagt Sabine Reise vom Gesundheitsamt. Zerkarien sind Larven von Saugwürmern, etwa einen Millimeter klein und für das Auge unsichtbar. Über Entenkot gelangen deren Eier in Süßgewässer wie Seen oder Teiche. In Wasserschnecken, die als Zwischenwirt dienen, reifen die Eier zu Larven heran, suchen dann ein neuen Wirt. Über die Schwimmhäute dringen sie in den Blutkreislauf der Enten ein. Es kann aber auch zu Irrtümern kommen.

Statt in einen Entenfuß, bohren sich die Larven dann versehentlich in die menschliche Haut. Dr. Martin Kalbe vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön weiß, warum: "Anhand bestimmter Fettsäuren erkennen die Larven den Entenfuß. Allerdings ist die Zusammensetzung der Fettsäuren beim Menschen ähnlich. Deshalb kommt es zur Verwechslung." Sobald der Mensch an Land geht, trocknen die Zerkarien aus und sterben ab. Zudem können sie im "Fehlwirt" Mensch nicht überleben, werden von dessen Immunsystem bekämpft. Darum kommt es dort, wo die Larven in die Haut eingedrungen sind, zu Rötung, Juckreiz und Quaddelbildung, genannt Badedermatitis. Die roten Flecken erinnern an entzündete Mückenstiche. Wer den Ausschlag bekommt, muss laut Martin Kalbe schon vorher mit Zerkarien in Kontakt gekommen sein. Dies geschieht meist unbemerkt. Der Körper entwickelt Abwehrstoffe, beim Zweitkontakt kommt es zum Ausschlag.

Keine schlechte Wasserqualität

"Das Vorhandensein von Zerkarien ist aber kein Zeichen dafür, dass die Wasserqualität schlecht ist", betont Diplombiologe Martin Kalbe, der sich in seiner Doktorarbeit mit den Parasiten befasst hat. So wird auch dem Neuendorfer See vom Landesumweltamt nach wie vor eine ausgezeichnete Wasserqualität bescheinigt. Denn: Zerkarien kommen generell in allen Standgewässern vor. Durch anhaltende Hitze steigen aber die Wassertemperaturen. Dadurch vermehren sich die Schnecken besser, finden Zerkarien ideale Bedingungen. Und mit steigender Zahl der Badegäste kommt auch die Badedermatitis gehäuft vor.

Allerdings gibt es Möglichkeiten, sich vor Zerkarien zu schützen. So hilft es laut Martin Kalbe, eine 0,1-prozentige Lösung Niclosamid, ein Wirkstoff gegen Würmer, in die Sonnencreme mischen zu lassen. Möglich ist das in Apotheken. Zudem sollten sich Badende, gleich wenn sie aus dem Wasser kommen, mit dem Handtuch richtig abreiben. Dadurch trocknen die Larven aus, sterben sofort ab. Duschen ist aus Sicht des Experten und entgegen der Empfehlung der Gesundheitsämter falsch. Tritt die Badedermatitis doch auf, reicht die Behandlung mit Salben, die Juckreiz und Entzündung lindern. "Der Ausschlag ist unangenehm, klingt aber nach etwa zehn Tagen ab", sagt Sabine Reise vom Gesundheitsamt Dahme-Spreewald (Bilder zur Badedermatitis und weitere Infos bei www.dahme-spreewald.de unter dem Punkt Badestellen). Bei einer starken allergischen Reaktion sollte aber ein Arzt aufgesucht werden. Weitere Fälle von Badedermatitis am Neuendorfer See wurden bis jetzt nicht gemeldet. Damit ist Baden dort weiterhin ohne Einschränkung möglich. Auch Blaualgen wurden bis jetzt an keiner der 32 Badestellen entdeckt. Die Qualität aller Badeseen im Landkreis ist im Moment hervorragend und wird aller vier Wochen überprüft.

Lausitzer Badeseen im Test

RUNDSCHAU-Badeseen-Check/span Sorge um Senftenberger See

Auch der Senftenberger See im Landkreis Oberspreewald-Lausitz ist weitgehend blaualgenfrei. Nur in dem braun-gelblichen, schaumigen Schlamm, der bereits mehrfach auf der Seeoberfläche gesichtet wurde, wurden Blaualgenreste gefunden. Die an Fäkalien erinnernden Flocken beunruhigten Badende. Das Gesundheitsamt vom Landkreis Oberspreewald-Lausitz gab diese Woche Entwarnung. Außer Blaualgenresten waren in den Proben nur Pflanzenreste, Algen, Sand und Lehm zu finden. Was Gewässerökologen vom Brandenburger Landesumweltamt (LUGV) viel mehr beunruhigt, ist, dass anscheinend die Ökologie des ganzen Sees aus dem Gleichgewicht geraten ist. So berichteten Fischer über apathische Forellen, fehlende Muscheln und Pflanzen. "In sechs Metern Tiefe ist der Sauerstoffgehalt im See ungewöhnlich schlecht", so Norbert Herrn vom LUGV. Dabei seien Eisen- und pH-Werte unauffällig. Mit einer Tiefenprüfung und weiteren Tests soll nun der Sache auf den Grund gegangen werden.