Statt das umstrittene Anwesen "Ak-Saray" anzusprechen, nutzte Franziskus seinen Auftritt in der türkischen Hauptstadt für einen leidenschaftlichen Appell für Frieden in der krisengeplagten Region und einem Aufruf zu Religionsfreiheit. Auch den Gastgeber nahm er in die Pflicht.

Der 77-Jährige würdigte die Türkei als "natürliche Brücke zwischen zwei Kontinenten" und dankte ihm für die großzügige Aufnahme von Hunderttausenden Flüchtlingen. Er mahnte aber auch: "Die Türkei hat durch ihre Geschichte, aufgrund ihrer geografischen Lage und ihrer Bedeutung in der Region eine große Verantwortung." Für Frieden hält der Papst einen "starken gemeinsamen Einsatz" aller für notwendig - und sieht die Türkei als Verbündeten. Sein Gastgeber Erdogan hatte nur wenige Stunden zuvor mit scharfen Angriffen auf den Westen für Aufsehen gesorgt - doch beim Empfang für den Gast aus Rom war davon kaum etwas zu spüren. Harmonisch begegneten sich der Papst und der türkische Staatspräsident, schüttelten sich unter großem Applaus die Hand, hörten einander aufmerksam zu. Das Treffen sei sehr produktiv gewesen, man teile viele Ansichten, lobte Erdogan das Oberhaupt der katholischen Kirche. "Das Bild, das heute hier in Ankara gezeichnet wurde, ist ohne Zweifel ein Bild der Hoffnung für die Welt", sagte er nach dem historischen Treffen, das ein Schritt zum globalen Frieden sein könne.