Papst Franziskus erhält für seine Worte über Europa den Karlspreis 2016. Das katholische Kirchenoberhaupt sende in einer Zeit, in der die EU Krisen durchlebe, eine hoffnungsvolle Botschaft, erklärten am gestrigen Mittwoch das Preisdirektorium und die Stadt Aachen. Seit 1950 wird der Preis für Verdienste um Europas Einigung verliehen. Die Preisverleihung soll nicht in Aachen stattfinden, sondern in Rom.

"In dieser Zeit, in der viele Bürgerinnen und Bürger in Europa Orientierung suchen, sendet Seine Heiligkeit Papst Franziskus eine Botschaft der Hoffnung und der Ermutigung aus", hieß es. Der Papst sei eine "Stimme des Gewissens", die mahne, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Und die daran erinnere, dass Europa verpflichtet sei, Frieden, Freiheit, Recht, Demokratie und Solidarität zu verwirklichen - aufbauend auf den Idealen seiner Gründerväter.

Franziskus hatte 2014 eine Rede vor dem Europaparlament gehalten. Darin plädierte er für ein gemeinsames Europa, das sich nicht um die Wirtschaft drehe, und für Solidarität mit Armen und Alten.

Die Entscheidung, Franziskus den Karlspreis zu verleihen, stieß in Berlin auf positive Resonanz, ergab eine RUNDSCHAU-Umfrage. Einige Politiker verbanden die Entscheidung mit aktuellen Debatten. Volker Beck, Sprecher für Religionspolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, wies darauf hin, dass der Papst von einem Europa der Solidarität statt einer bloßen Wirtschaftsunion gesprochen und damit den Europäern den Spiegel vorgehalten habe. "Vielleicht", so Beck, "bietet die Preisverleihung die Gelegenheit, auch katholische Länder wie Polen an ihre Verantwortung für die Flüchtlingsaufnahme zu erinnern."

SPD-Chef Sigmar Gabriel sieht im Preis für den Papst eine "Mahnung gegen das Auseinanderdriften der Gesellschaft". Gemeinsam müsse man gegen Nationalismus, Ausgrenzung, Abschottung, Intoleranz und Rassismus kämpfen. Für die Unionsfraktion gratulierte deren Kirchenbeauftragter Franz Josef Jung (CDU): "Es ist erfreulich, dass Papst Franziskus gerade 2016, in dem von ihm ausgerufenen Heiligen Jahr der Barmherzigkeit, mit dem Karlspreis geehrt wird."