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| 01:28 Uhr

Papst betet in Nahost für Brücken statt Mauern

Papst Benedikt XVI. hat zum Ende seiner Nahost-Reise einen Friedensappell an Israel und die Palästinenser gerichtet. Deutlicher als zuvor plädierte das Oberhaupt der katholischen Kirche für eine Zwei-Staaten-Lösung von Israelis und Palästinensern. Von Hanns-Jochen Kaffsack

"Nie wieder Blutvergießen! Nie wieder Kampf! Nie wieder Terrorismus! Nie wieder Krieg!": Mit diesem leidenschaftlichen Appell an Israel und die Palästinenser hat Benedikt XVI. am Freitag seinen einwöchigen Besuch im Nahen Osten beendet. Er fahre als Pilger, hatte der Pontifex vor der Reise erklärt. In Erinnerung bleiben wird er im Heiligen Land vor allem als Politiker.Ausbalancierte Botschaft "Frieden, Frieden und nochmals Frieden." Auf diese Formel bringt es Vatikan-Sprecher Federico Lombardi, nach einer ersten Bilanz befragt: "Der Papst ist sehr glücklich über die Reise, die Treffen waren sehr positiv." Klar und ausbalanciert sei seine Botschaft. Zufriedenheit strahlen auch die Offiziellen in Israel und den Palästinensergebieten aus: Israels Präsident Schimon Peres lobt das substanzielle Gewicht von Benedikts Erklärungen, vor allem, dass der Holocaust nie vergessen oder geleugnet werden dürfe und der Antisemitismus überall auf der Welt bekämpft werden müsse. Der stellvertretende palästinensische Tourismusminister Marwan Tubasi sagt: "Der Besuch hat mehr gebracht als die Palästinenser erhofft hatten". Er verweist darauf, dass der Papst eine Zwei-Staaten-Lösung unterstützt.Unangenehme Wahrheiten haben beide Seiten höflich zur Kenntnis genommen - wenn der Papst beispielsweise die Palästinenser ermahnte, der Versuchung von Terror und Gewalt zu widerstehen und von Israel Reisefreiheit für Palästinenser forderte.Und was bleibt beim Durchschnittsbürger dies- und jenseits der Sperranlage? "Er kommt, besucht das Lager, fährt wieder weg und nichts wird sich ändern", sagt der 29 Jahre alte Fares Jussef aus dem Flüchtlingslager Aida. Und in Israel machte der Papst nur mit seiner Rede in Jad Vaschem richtig Schlagzeilen - negative vor allem. Der Abstecher nach Bethlehem war für Israels auflagenstärkste Zeitung "Jediot Acharonot" nur noch sechs Zeilen wert.Unrealistische ErwartungenDer Vorsitzende des jüdischen Komitees für interreligiöse Angelegenheiten, Rabbiner David Rosen, spricht dennoch von einem "sehr bedeutsamen und sehr erfolgreichen" Besuch. "Die Kritik war ein Ergebnis unrealistischer Erwartungen", sagt er zu Reaktionen in Israel. Die Tiefe unseres "historischen Traumas" führe manchmal zu berechtigter Kritik und manchmal zu unangebrachten Kommentaren.