Tausende Menschen warten dort hinter meterhohem Stacheldraht auf ihre Rückführung in die Türkei - so wie es der umstrittene EU-Flüchtlingspakt vorsieht.

In einer gemeinsamen Erklärung drückten Franziskus und die orthodoxen Kirchenführer Bartholomaios I. und Hieronymus II. ihre tiefe Besorgnis über die tragische Situation der Flüchtlinge, Migranten und Asylsuchenden aus. "Die Welt kann die kolossale humanitäre Krise nicht ignorieren, die durch die Verbreitung von Gewalt und bewaffneten Konflikten entsteht", heißt es darin. "Aus Lesbos appellieren wir an die internationale Gemeinschaft, mutig auf diese massive humanitäre Krise und ihre Gründe zu reagieren - durch diplomatische, politische und wohltätige Initiativen." Solange es erforderlich sei, müssten alle Länder Menschen in Not vorübergehend Asyl gewähren.

Ausdrücklich wandte sich der Papst bei einem Treffen mit Inselbewohnern und der christlichen Gemeinschaft an die Verantwortlichen in Europa. "Europa ist die Heimat der Menschenrechte, und wer auch immer seinen Fuß auf europäischen Boden setzt, sollte das spüren, sollte diese Rechte respektieren und dafür kämpfen." Migranten seien keine Nummer in der Statistik, sondern in allererster Linie Menschen mit Gesichtern, Namen und ihrer jeweiligen Lebensgeschichte.

Überraschend nahm er nach seiner mehrstündigen Visite drei muslimische Familien aus Syrien mit nach Rom. Die zwölf Flüchtlinge, darunter sechs Kinder im Alter von zwei bis 17 Jahren, sollen nach Vatikanangaben vorerst im Kirchenstaat untergebracht werden.