Das Athener Krisentreffen zwischen dem griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou und Oppositionsführer Antonis Samaras Papoulias dauerte rund anderthalb Stunden. Über dessen Ergebnis wurde zunächst nichts bekannt.

Etwas später meldeten die Nachrichtenagenturen: Papandreou und Samara haben sich auf die Bildung einer Übergangsregierung geeinigt. Das verlautete am Sonntagabend aus dem Büro von Staatspräsident Karolos Papoulias, der zuvor in einem Krisentreffen zwischen Papandreou und Samara vermittelt hatte. Papandreou werde die Übergangsregierung nicht anführen, hieß es außerdem.

Weg zu Neuwahlen ebnen

Gespräche darüber, wer das neue Kabinett bilden solle, würden am heutigen Montag fortgesetzt. Dann sollen auch die Zusammensetzung der neuen Regierung und der neue Regierungschef bekanntgegeben werden. Zudem wird Staatspräsident Papoulias ein Treffen der Spitzen aller politischen Parteien leiten.

Es wird erwartet, dass die Übergangsregierung drei bis vier Monate Bestand haben wird. Sie soll das neue Rettungspaket sichern und den Weg zu Neuwahlen ebnen.

Regierung und Opposition stehen bei ihren Verhandlungen unter dem Druck einer in wenigen Wochen drohenden Staatspleite. Papandreou war nach der in der Nacht zum Samstag überstandenen Vertrauensfrage zunächst mit Papoulias zusammengekommen. Er forderte danach Samaras auf, sich einer viermonatigen Übergangsregierung anzuschließen, die sicherstellen soll, dass die dringend benötigten Hilfszahlungen weiter fließen. Mangelnde Zusammenarbeit könne dazu führen, dass Zweifel am Wunsch des Landes nach einem Verbleib in der Europäischen Union und in der Eurozone entstünden, erklärte der Regierungschef. Für Neuwahlen sei jetzt keine Zeit, da zunächst die Hilfen gesichert werden müssten.

Gefahr für das Land

Samaras hielt zunächst an seiner Forderung nach sofortigen Neuwahlen fest. Eine Übergangsregierung mit den Sozialisten lehnte er ab. „Wir haben nicht um einen Platz in seiner Regierung gebeten“, sagte der Vorsitzende der Neuen Demokratie. „Alles, was wir wollen, ist der Rücktritt von Herrn Papandreou, weil er zur Gefahr für das Land geworden ist.“

Bei der Vertrauensabstimmung in der Nacht zum Samstag stimmten mehr Abgeordnete für den Regierungschef als seiner sozialistischen Partei Pasok angehören. 153 sprachen Papandreou ihr Vertrauen aus, 145 stimmten gegen ihn. Dem griechischen Parlament gehören 300 Mandatsträger an, 152 von ihnen sind Sozialisten.

Vor Beginn der Vertrauensabstimmung im Parlament warb Papandreou noch einmal um Unterstützung für das Ende Oktober nach einem Gipfel-Marathon von den Euro-Ländern beschlossene Rettungspaket, das unter anderem einen Schuldenschnitt für Griechenland vorsieht. Papandreou sagte, diese Chance müsse ergriffen werden, vorgezogene Neuwahlen wären eine Katastrophe.

Venizelos – der neue starke Mann

Finanzminister Evangelos Venizelos, der gewarnt hatte, dass Griechenland sich weiterhin einer tödlichen Gefahr ausgesetzt sehe, sagte, die Übergangsregierung solle bis Ende Februar bestehen. Er selbst wird als heißer Kandidat für den Posten des Chefs der Übergangsregierung gehandelt.