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| 01:33 Uhr

Zwischen Woyzeck und Schnatterinchen

Cottbus. Er habe es nur wenigen Kollegen erzählt, gibt Christian Sengewald zu. Auch auf der Homepage seiner Agentur findet sich das neue Engagement noch nicht. Dabei spielt der 33-Jährige mit dem Jungensgesicht in der Inszenierung gleich vier große Rollen. Sengewald ist die neue Stimme von Pittiplatsch. Von Antje Scherer

Jeder, der in der DDR aufgewachsen ist, kennt die Handpuppe aus dem Kinderfernsehen. Und auch im Westen hat der quirlige Kobold über seine “Sandmännchen„-Auftritte zahlreiche Fans. Aber Puppentheater ist eben etwas anderes als “Hamlet„ am Deutschen Theater. Für einen ambitionierten jungen Schauspieler - Sengewald spielt unter anderem an der Volksbühne und hatte zuletzt eine Rolle im Kinofilm “Anonymus„ - ist die Rolle eigentlich so undankbar wie kaum eine andere. Auf der Puppen-Bühne ist man nicht zu sehen und das höchste Lob ist, wenn am Ende keiner gemerkt hat, dass man überhaupt da war. Denn Pittiplatsch muss klingen wie Pittiplatsch - und der hat für alle Zeit die Stimme von Heinz Schröder. Der hat ihn 1962 erfunden und mehr als 40 Jahre lang gespielt und gesprochen. Als er im vergangenen Jahr starb, war unklar, ob und wie es weitergehen würde. Aber die Nachfrage nach Auftritten des Kobolds und seiner tierischen Freunde ist ungebrochen, und so hat Manager Mario Behnke das “Pittiplatsch-Ensemble„ neu formiert. Die Puppen (die nach Schröders Tod an seine Nachkommen gingen) waren das kleinere Problem, den Dresdner Handwerksbetrieb gibt es noch und er stellte Pitti &Co. in neuer, alter Schönheit her. Aber eine neue Stimme für Pittiplatsch war nicht zu finden. Etliche Kandidaten hat Behnke sich angehört, aber keiner klang wie der Echte. Ein probehalber engagierter Pitti wurde krank. Sengewald erreichte der Hilferuf über seine alte Hochschule. Er versuchte es. “Ja, und da stimmt einfach alles„, sagt Behnke stolz. “Manchmal krieg ich einen richtigen Schreck„, sagt Puppenspiel-Kollegin Barbara Augustin, die viele Jahre mit Schröder zusammengearbeitet hat. “Da denk ich mitten im Stück, der Schröder steht neben mir.„

Seit fünf Wochen ist Christian Sengewald an Bord und sieht den Kinderspaß als Herausforderung: “Da ist noch viel zu tun, ich sehe bei jeder Rolle, wie viel Reserven sie noch hat. Jede Puppe hat ihren eigenen Charakter.„ Er ist Profi, hat an der Hochschule Ernst Busch Puppenspiel studiert, und sagt, er habe “großen Respekt„ vor dem neuen Engagement. Er stammt aus Dresden. Zwar hätten die Eltern keinen Fernseher gehabt, aber bei Oma habe er Pitti geguckt. Der naseweise Kobold war aber gar nicht seine Lieblingsfigur, sondern Moppi-Hund. “Der hatte so eine tiefe, brummelige Stimme, das fand ich gut.„ Neben den Volksbühnen-Auftritten spielt er derzeit in “Woyzeck„ am Theater Bremen, fürs Fernsehen dreht er den Spielfilm “Der Brand„.