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| 16:51 Uhr

Warschau
Zwei Kinder in Polen gebissen – ein Wolf unter Verdacht

Noch ist nicht ganz sicher, ob es ein Wolf war, der die Kinder attackierte.
Noch ist nicht ganz sicher, ob es ein Wolf war, der die Kinder attackierte. FOTO: dpa / Darek Delmanowicz
Warschau. Zwei Kinder sollen in der Urlaubsregion Bieszczady von einem aggressiven Wolf gebissen worden sein. Handelte es sich wirklich um einen Isegrim? Von   Natalie Skrzypczak

Ein Wolf soll im Südosten von Polen zwei Kinder attackiert und verletzt haben. Polizeiangaben zufolge wurde das Tier, bei dem es sich mutmaßlich um einen Wolf handelte, von einem Jäger erschossen. Ergebnisse einer DNA-Untersuchung, die Aufschluss über Art und Herkunft des Tieres geben sollten, standen am Donnerstag noch aus. „Wir müssen die Ergebnisse der DNA-Analyse abwarten“, sagte Lukasz Lis vom südostpolnischen Umweltschutzamt in Rzeszow der Agentur PAP.

Rein äußerlich wies das Tier Merkmale eines Wolfes auf, wie das Veterinäramt mitteilte. Umweltexperten zufolge kann es sich aber auch um eine Kreuzung aus Hund und Wolf gehandelt haben. Der Vorfall ereignete sich demnach bereits am Dienstagabend in der Gebirgslandschaft Bieszczady, die an die Slowakei und die Ukraine grenzt.

Erst sei ein achtjähriges Mädchen, dann nur zwei Kilometer weiter ein zehn Jahre alter Junge verletzt worden, berichteten polnische Medien. Sie hätten draußen gespielt, als das Tier sich auf sie stürzte – die Eltern konnten es demnach wieder vertreiben. Die Kinder kamen unter anderem mit Bisswunden an den Beinen ins Krankenhaus, inzwischen wurden sie wieder entlassen.

Medienberichten zufolge war es nicht die einzige mutmaßliche Wolfsattacke in der Region: Es gebe den Verdacht, dass Mitte Juni eine Touristin auf einem Zeltplatz von dem gleichen Tier gebissen worden sei. Das Bieszczady-Gebirge ist eine bei Polen beliebte Urlaubsregion. Die gebissenen Kinder hatten dort ihre Sommerferien verbracht.

Die Naturschutzorganisation WWF Polska mahnte, aufgrund des Vorfalls keine Panik vor Wölfen insgesamt zu verbreiten, von denen geschätzt etwa 1400 in Polen leben. Die Art steht dort seit 1998 unter strengem Schutz. Angriffe auf Menschen seien seit Jahrzehnten nicht registriert worden, betonte der WWF. „Es ist ein absolut untypisches Verhalten für einen gesunden Wolf, der Menschen gegenüber nicht aggressiv ist, sondern diese vielmehr meidet.“

Auch deutsche Experten raten zu Besonnenheit: Ein Fall unprovozierten aggressiven Verhaltens von Wölfen gegenüber Menschen sei seit der Etablierung des Wolfes im Jahr 1998 in Deutschland nicht aufgetreten, sagte Corinna Bertz vom Bundesamt für Naturschutz (BfN). Wenn es aber zu einer Situation komme, in der Wölfe ein Sicherheitsrisiko für Menschen darstellten, müsse sofort reagiert werden. Das Veterinäramt schloss bei dem erschossenen Tier Tollwut aus. Umweltexperten mutmaßten in Medien, es könne von Menschen misshandelt worden sein.

Immer wieder würden Menschen in Polen und der Slowakei junge Wölfe mit nach Hause nehmen, sie wie Hunde aufziehen und später aussetzen. „Dass das Tier in diesem Fall keine Angst vor Menschen hatte, kann ein Anzeichen dafür sein, dass es früher zu ihnen Kontakt hatte“, so Tierschützer der Organisation „Wilk“.