ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 11:07 Uhr

Befragung der Bertelsmann-Stiftung
Zwei Drittel der Europäer finden: „Früher war alles besser“

Zwei Drittel der Europäer sind in der Ansicht, dass früher alles besser war. Das zeigt eine Befragung der Bertelsmann-Stiftung. Nostalgisch ging es am Wochenende auch in Erfurt bei der Ostpro, eine Messer voller Ostprodukte, zu.
Zwei Drittel der Europäer sind in der Ansicht, dass früher alles besser war. Das zeigt eine Befragung der Bertelsmann-Stiftung. Nostalgisch ging es am Wochenende auch in Erfurt bei der Ostpro, eine Messer voller Ostprodukte, zu. FOTO: ZB / Bodo Schackow
Gütersloh. Die Sehnsucht nach einer vermeintlich besseren Vergangenheit hat Konjunktur: Donald Trump hat es mit seinem Versprechen, die USA zurück in die Zukunft zu führen, bis ins Weiße Haus gebracht. Wie sehr die Europäer an die „gute alte Zeit“ glauben, zeigt die „eupinions“-Studie der Bertelsmann-Stiftung.

Für die Studie sind europaweit Bürger zu politischen und gesellschaftlichen Themen befragt worden. Die Umfrage ist mit einer Stichprobe von 10.855 Befragten repräsentativ für die EU und ihre fünf größten Mitgliedsstaaten.

Die Befragung zeigt: Zwei Drittel der Europäer sind der Meinung, die Welt sei früher besser gewesen. Die Italiener sind mit 77 Prozent besonders nostalgisch, die Polen mit 59 Prozent hingegen deutlich weniger. In Deutschland geben 61 Prozent der Bevölkerung an, früher sei es besser gewesen.älter die Befragten sind, desto eher sind sie nostalgisch eingestellt. Jugendliche unter 25 sind mit 52 Prozent am wenigsten empfänglich für nostalgische Gefühle, während es bei den 56- bis 65-Jährigen über zwei Drittel der Befragten sind. Unter den Jugendlichen sind die Italiener ebenfalls Nostalgiespitzenreiter: 64 Prozent von ihnen sehen die zurückliegende Zeit in besserem Licht als die gegenwärtige. Am positivsten blicken polnische Jugendliche auf die Gegenwart: Nur ein Drittel von ihnen ist nostalgisch eingestellt.

Über alle Altersgruppen hinweg sehen Frauen die bereits vergangene Zeit mit 47 Prozent seltener durch eine rosa Brille als Männer, bei denen es 53 Prozent sind: „Wenn wir unsere Vergangenheit im Laufe der Zeit altersmilde betrachten, ist das vor allem menschlich", so Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann-Stiftung. Es bewertet es allerdings als fahrlässig, wenn Parteien Ängste und Unsicherheiten für ihre Wahlerfolge ausnutzten, um eine nie dagewesene goldene Vergangenheit zu beschwören.

Nostalgie stabilisiert in Momenten der Verunsicherung

Die Bewertung vergangener Zeiten fällt mit politischen Einstellungen zusammen. 53 Prozent der Europäer, die nostalgisch eingestellt sind, sehen sich selbst eher rechts der Mitte, während 58 Prozent der Nicht-Nostalgiker sich eher links verorten. Diese Unterschiede zwischen den Lagern bei der politischen Selbstverortung sind in Deutschland am stärksten ausgeprägt: Hier ist der Anteil der Nostalgiker die sich rechts verorten um 20 Prozentpunkte höher als bei den Nicht-Nostalgikern.

„Nostalgie ist auch ein Indiz für ein hohes Maß an Verunsicherung in der Gesellschaft“, so Isabell Hoffmann, Europaexpertin der Stiftung. Doch obwohl der wohlwollende Blick in die Vergangenheit, in der Öffentlichkeit oft negativ besetzt ist, habe er durchaus eine wichtige Funktion, denn er könne Stabilität und Halt bieten, so die Autoren der Studie. Dies machen sich auch einzelne Parteien zunutze, die mit Referenzen an die Vergangenheit, Verunsicherung und Ängste in Wählerstimmen übersetzen möchten.

Nostalgiker skeptischer gegenüber Einwanderung

Befragt zu ihren Einstellungen gegenüber einzelnen Sachthemen zeigen die Ergebnisse, dass Nostalgiker in der Regel etwas kritischer gegenüber der EU und deutlich ablehnend gegenüber Einwanderung eingestellt sind. Die Mehrzahl der Nostalgiker, nämlich 53 Prozent, ist überzeugt, dass Einwanderer den Einheimischen „Jobs wegnehmen“ und nur 45 Prozent von ihnen sind überzeugt, dass „Einwanderung gut für die Wirtschaft" ist. 78 Prozent der europäischen Nostalgiker stimmen sogar der Aussage zu, dass „Einwanderer sich nicht in die Gesellschaft integrieren möchten“.

Bei Nicht-Nostalgikern sind die Zahlenwerte genau umgekehrt: Nur eine Minderheit von 30 Prozent geht davon aus, dass durch Einwanderung Jobs für Eineimische verloren gehen und die Mehrzahl von 63 Prozent ist der Meinung, dass Einwanderung grundsätzlich gut für die Wirtschaft ist.

Bezüglich der Europäischen Union sind die Einstellungen der beiden Lager nicht weit voneinander entfernt. Eine deutliche Mehrheit, unabhängig von Nostalgieneigungen, wünscht sich sowohl mehr politische und ökonomische Integration, als auch eine aktivere Rolle der EU auf der Weltbühne. Am stärksten unterscheiden sich die Werte für einen Verbleib des eigenen Landes in der EU: 82 Prozent der Nicht-Nostalgiker unterstützen die EU-Mitgliedschaft ihres Landes. Bei den Nostalgikern sind es 67 Prozent.

(red/lsc)