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Wut hinter dem Steuer

Wer aus Wut den "Stinkefinger" zeigt, muss mit juristischen Konsequenzen rechnen.
Wer aus Wut den "Stinkefinger" zeigt, muss mit juristischen Konsequenzen rechnen. FOTO: dpa
Faustabdrücke auf dem Lenkrad, abgeknabberte Fingernägel, überstrapazierte Stimmbänder: Zeichen vom Ärger hinterm Steuer. Was Autofahrer besonders wütend macht, offenbart eine neue Umfrage. Kim Alexander Zickenheiner / dpa/hil

Stuttgart. Wer im Internet nach dem Schlagwort "road rage" (Straßenzorn) sucht, findet groteske Videos aus aller Welt, oft aufgenommen mit Kameras auf dem Armaturenbrett: Prügeleien auf offener Straße, Attacken mit Äxten oder Schaufeln, aus Autofenstern gereckte Schusswaffen. Der Grund: oft nur Kleinigkeiten. Abbiegen ohne Blinken, abruptes Bremsen und Gedrängel auf der Autobahn sorgen zwar nur bei wenigen für echte Ausraster - aber Ärger im Straßenverkehr kennen die meisten.

"Das Ziel ist immer, möglichst schnell von A nach B zu kommen. Alles, was mich dabei aufhält, ist ein Ärgernis", sagt Verkehrspsychologe Wolfgang Fastenmeier. Besonders andere Fahrer könnten dabei als direkte Kontrahenten gesehen werden - auf die sich die Wut entlädt. Tatsächlich regt sich knapp die Hälfte (47 Prozent) der Autofahrer am meisten über andere Autofahrer auf, wie aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hervorgeht.

Nicht jedes Mal muss das so weit gehen wie in Mannheim, als ein Fahrer vor Wut auf seinen Unfallgegner gleich noch zweimal auf dessen Wagen auffuhr. Oder wie in Gelsenkirchen, als zwei Rivalen um eine Parklücke derart ausrasteten, dass sie mit Messer und Pfefferspray aufeinander losgingen.

Allein das Ärgern hinter dem Steuer kann dazu führen, dass das eigene Fahren leidet, wie Fastenmeier sagt. Das bestätigt auch eine Studie der Leuphana-Universität Lüneburg. So könne etwa die Angst nach einem Beinahe-Unfall dazu führen, dass Autofahrer mehr Gas geben. Auch Wut über einen langsamen Vordermann könne die Risikobereitschaft steigern.

Doch nicht nur andere Autofahrer bereiten Ärger. 19 Prozent regen sich laut Umfrage am meisten über die Verkehrsführung auf - Ampeln, Wegweiser, Lichter. Bis zu 25 Millionen Verkehrsschilder stehen nach Angaben des ADAC auf deutschen Straßen n. Zu viele, wie vom Autoclub befragte Fahrer 2013 klagten.

Ein "ehernes Gesetz" bestätigt die Umfrage auch: Vier von fünf Menschen glauben, dass sie so gut wie der Durchschnitt oder besser fahren. "Jeder hält sich für den besten Autofahrer", bestätigt Verkehrspsychologe Fastenmeier. Da sollte sich Ärger doch vermeiden lassen. Denn der kann nicht nur gefährlich werden, sondern auch teuer. Gesten wie einen "Vogel" oder den Mittelfinger zeigen, gelten als Beleidigung und können empfindliche Geldstrafen mit sich ziehen.