| 02:38 Uhr

Woher kommt das Sturmgewehr?

Zentrale Frage der Ermittlungen: Woher stammt die Tatwaffe? Kriminaldirektor Andreas Stenger sucht nach der Tragödie von Konstanz nach Antworten.
Zentrale Frage der Ermittlungen: Woher stammt die Tatwaffe? Kriminaldirektor Andreas Stenger sucht nach der Tragödie von Konstanz nach Antworten. FOTO: dpa
Konstanz. Mit einem Sturmgewehr hat ein 34-Jähriger vor einer Diskothek in Konstanz um sich geschossen – am Tag nach der Tat konzen trierten sich die Ermittler vor allem auf die Herkunft der Waffe. Das Gewehr werde von einer Sonderkommission intensiv untersucht, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Montag. Kathrin Drinkuth / dpa

So werde etwa abgeklärt, ob die Waffe aus Armeebeständen stamme oder aus einzelnen Teilen, die der Täter sich möglicherweise im Darknet beschafft hatte. Die Stadt Konstanz trauert unterdessen um die Opfer - vor dem Eingang der Diskothek legten Menschen am Montagmorgen Blumen und Kerzen unter das Absperrband der Polizei.

Der 34-Jährige hatte am Sonntagmorgen gegen 4.30 Uhr an einer Diskothek in Konstanz um sich geschossen. Ein Türsteher, mit dem er zuvor in Streit geraten war, wurde getötet. Nach einem Schusswechsel mit der Polizei starb auch der Angreifer im Krankenhaus. Drei Menschen wurden nach Angaben der Polizei schwer, sieben leicht verletzt. Partygäste flohen in Panik aus dem Club. Am Tag nach dem Verbrechen waren die Spuren des tödlichen Schusswechsels noch immer sichtbar: An der Eingangstür der Diskothek "Grey" klaffte ein großes Einschussloch im Glas, auf dem Parkplatz vor dem Club sicherte die Polizei weitere Patronenhülsen. Das Areal sei sehr groß, daher dauere die Spurensicherung eine Weile, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Wie viele Schüsse gefallen seien, könne man noch nicht sagen.

Neben der Waffe untersuche die Sonderkommission auch die genauen Hintergründe der Tat, sagte der Sprecher weiter. So werde etwa das Verhältnis zwischen dem Täter und seinem Schwager - der den Konstanzer Club "Grey" vor Ort für eine Gesellschaft leitete - abgeklärt. Auch der Grund, warum es zum Streit kam, sei Gegenstand der Ermittlungen. Zeugen würden befragt - dabei müsse man sehr behutsam vorgehen, da diese teilweise noch unter dem Schock des Erlebten stünden.

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl sprach am Montag von "Glück im Unglück". "Mit einem solchen Schnellfeuergewehr, einer schweren Kriegswaffe, kann man natürlich in einer Diskothek wirklich etwas Furchtbares anrichten", sagte der CDU-Politiker am Rande eines Termins in Freiburg. "Es ist wirklich schlimm genug, aber nicht zuletzt aufgrund des schnellen und konsequenten Eingreifens der Polizei ist noch ein denkbar viel größeres Unglück vermieden worden."

Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei handelte der Angreifer als Einzeltäter, einen Terror-Hintergrund gibt es den Behörden zufolge nicht. Die Ermittler gehen von einer persönlichen Auseinandersetzung aus, die auf "unsagbare Weise eskaliert" sei. Nach dem Streit am Eingang sei der 34-Jährige nach Hause gefahren, habe die Waffe geholt und sei zum Club zurückgekehrt, hieß es bei der Staatsanwaltschaft. Der 34-Jährige irakisch-kurdischer Herkunft war als Kind im Jahr 1991 nach Deutschland gekommen. Er ist vorbestraft unter anderem wegen Körperverletzung und Drogendelikten.

Zum Thema:
Eine Kerbe im Helm verdeutlicht, mit welcher Wucht das Geschoss aus dem Sturmgewehr des Angreifers auf den Kopfschutz des Polizisten geprallt ist: Bei der Schießerei vor einer Disco in Konstanz hat ein etwa zwei Kilogramm schwerer Helm dem Beamten vermutlich das Leben gerettet. Entscheidend ist die Beschaffenheit aus Titan, einem hochfesten Metall. Es leitet die Aufschlagsenergie des Projektils zur Seite ab und verhindert, dass sich der Kopfschutz massiv nach innen verformt. Andere Helme etwa aus dem Kunststoff Polyethylen oder aus zähen Aramidfasern schützen zwar ebenfalls gegen Splitter und sind leichter als ein Titan-Kopfschutz. Ihre Wirkung bei B eschuss gilt aber als begrenzt, da sie sich stärker nach innen verformen. Die Verformung kann zu tödlichen Verletzungen führen. (dpa)