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Typisch Junge, typisch Mädchen
Wie eine Grundschul-Aufgabe bei Facebook zum großen Aufreger wurde

Fake News oder nicht? Diese Frage stellen sich seit Mittwoch viele Facebook-Nutzer. Ein Arbeitsblatt aus dem Ethikunterricht in einer Grundschule sorgte für Aufregung. Ist es wirklich ein Fehler, ein Mädchen als mutig zu bezeichnen? Christiane Bours

Am Ende hat keiner mehr durchgeblickt. Mehr als 1000-mal wurde ein Post zu einem Arbeitsblatt aus dem Unterricht einer Grundschule auf Facebook geteilt. Darunter zahlreiche Kommentare, die von verständnislos bis bitterböse reichten. Und immer wieder kamen die Fragen: Ist das echt? Und wo ist das passiert?

Worum ging es? "Typisch Junge, typisch Mädchen" ist das Thema des Arbeitsblattes. Die Aufgabe: "Welche Wörter gehören zum Jungen, welche zum Mädchen? Kreise die Begriffe der Mädchen rot ein, die der Jungen blau!" Diese Aufgabe haben die Schüler der vierten Klasse einer Grundschule im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt lösen müssen. Aufgeführt waren Wörter wie "mutig", "ängstlich", "Puppen spielen", "oft kurze Haare" oder "Lego spielen", die von den Schülern jeweils Jungen oder Mädchen zugeordnet werden mussten.

Daneben ist in Rot die Bewertung der Lehrerin zu sehen - und die befand, dass beispielsweise der Begriff "mutig" für Mädchen ein Fehler ist - mit einem halben Punkt Abzug. Direkt darunter die Zuordnung, dass Mädchen oft "ängstlich" sind.

Facebook-Nutzer regen sich über falsche Rollenbilder auf

Ein Unding, befanden viele Facebook-Nutzer. "Das ist doch hoffentlich nicht echt!? Da gibt‘s ein falsch und Punktabzug, weil das Kind mutig als Eigenschaft eines Mädchen markiert hat? Ich fass es nicht", lautete ein Kommentar. "Ist das wirklich deren Ernst? Und warum wehren sich die Eltern nicht gegen solchen Mist?", ein anderer. Oder: "Ohne Worte. Später steht noch Küche im roten Kreis." Viele fragten sich, wo dieser Test überhaupt gemacht wurde. Die einen behaupteten, er wäre im Ethikunterricht in Bayern geschrieben worden, andere ordneten ihn Sachsen-Anhalt zu.

"Es handelt sich um eine Aufgabe für die vierte Klasse in Sachsen-Anhalt", stellt Stefan Thurmann, Sprecher des Schulministeriums in Sachsen-Anhalt, am Freitag auf Anfrage klar. Das Arbeitsblatt sei "aber nur Teil der Wahrheit". Da die Aufregung in den Sozialen Medien so groß war, hatte es am Freitagmorgen an der Grundschule im Burgenland ein Gespräch mit der Schule, der Schulaufsicht und Eltern gegeben, um die Sache aufzuklären.

Aufgabe ist nicht als Test vorgesehen

Aufgabe sei gewesen, mit den Schülern eine Diskussion zum Thema Stereotype anzuregen. Auf dem Arbeitsblatt sollten Attribute zugeordnet werden, anschließend sollten die Kinder über ihre eigene Wahrnehmung diskutieren. "Es soll also eigentlich das Gegenteil entstehen", sagt Thurmann. "Den Kindern sollen eben keine Stereotype aufgedrängt werden."

Wie die Geschichte eine solche Eigendynamik entwickeln konnte, kann Thurmann sich nicht erklären. "Da ist ein falscher Eindruck entstanden, zumal auch nicht die gesamte Aufgabe zu sehen ist." Er räumt allerdings ein, dass die Lehrerin einen Fehler gemacht hat. "Dieses Arbeitsblatt ist nicht für einen Test geeignet, sondern soll lediglich als Diskussionsgrundlage dienen."