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Wettlauf gegen die Zeit

Papst Franziskus segnet ein Bild der Jungfrau von Guadalupe, das ihm während seiner Mittwochsandacht auf dem Petersplatz von gläubigen Mexikanern präsentiert wird. Papst Franziskus betet für die Opfer des Erdbebens.
Papst Franziskus segnet ein Bild der Jungfrau von Guadalupe, das ihm während seiner Mittwochsandacht auf dem Petersplatz von gläubigen Mexikanern präsentiert wird. Papst Franziskus betet für die Opfer des Erdbebens. FOTO: dpa
Mexiko-Stadt. Mit bloßen Händen räumen die Rettungskräfte Stein für Stein beiseite. Vorsichtig, damit der Trümmerhaufen nicht weiter in sich zusammenstürzt. Denis Düttmann

Einen Tag nach dem schrecklichen Beben sind noch immer Kinder eingeschlossen unter Bergen von Zement und Stahl - es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Ein Schäferhund entdeckt ein Mädchen in den Trümmern. "Sie hat den Arm bewegt", ruft ein Feuerwehrmann. Die Helfer schöpfen neue Hoffnung und graben weiter.

Die Schule Enrique Rébsamen im Süden von Mexiko-Stadt ist zu einem Symbol für das Leid geworden, das das schwere Erdbeben über die Millionenmetropole gebracht hat. Mehr als 20 Schüler sterben in den Trümmern. "Es ist schrecklich, ganz besonders, weil es noch Kinder waren", sagt Gilberto Bazán, der den Einsturz miterlebte.

Der Horror lässt die Menschen allerdings auch eng zusammenrücken. Tausende Freiwillige kommen zu den eingestürzten Häusern, um Schutt beiseite zu räumen und bei der Suche nach Verschütteten zu helfen. In den Spendenannahmestellen füllen sich die Lager mit Trinkwasser, Konservendosen, Kleidung und Decken. "Wir haben heute 10 000 Sandwiches gemacht und an Erdbebenopfer und Rettungskräfte verteilt", erzählt Emiliano Robles. Der junge Mann hat mit seinen Freunden aus dem Viertel 25 Lastwagen, Dutzende Geländewagen und zahlreiche Motorräder organisiert. Nun verteilt die Gruppe Lebensmittel, fährt Bauschutt ab und bringt Freiwillige zu ihren Einsatzorten. "Die Solidarität ist unglaublich, alle wollen helfen", sagt Robles.

Roberto Goméz ist auf dem Weg zu seinem nächsten Einsatz. Mit Atemschutzmaske vor dem Mund, einem Bauarbeiterhelm auf dem Kopf und einer Spitzhacke zwischen den Beinen sitzt er auf der Ladefläche eines Pick-up-Trucks. "Wir fahren zu einem eingestürzten Haus. Wir sollen dabei helfen, den Schutt von der Straße zu räumen, damit der Verkehr wieder fließen kann", erzählt der 29-Jährige.

Sein Kollege Brandon Cuevas ist seit Dienstagnachmittag im Dauereinsatz. "Wir haben Leute aus einsturzgefährdeten Häusern herausgeholt. Ich habe eine alte Frau, die nicht mehr gut laufen konnte, die Treppen heruntergetragen", sagt Cuevas. "Wenn so etwas Schreckliches passiert, muss man einfach helfen."

Mexiko-Stadt kann hart sein. Eine anonyme Mega-City, in der jeder zuerst an sich denkt, in der Metro geschubst und an der Kasse gedrängelt wird, in der Menschen ihre Nachbarn nicht kennen. Angesichts des katastrophalen Erdbebens allerdings rücken die "Chilangos" - wie die Hauptstadtbewohner genannt werden - enger zusammen.