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| 13:38 Uhr

Interview mit Dominik Jung
„Hoffnung auf weiße Weihnachten noch nicht begraben“

Wetterexperte Dominik Jung.
Wetterexperte Dominik Jung. FOTO: ZVG Dominik Jung
Cottbus/Wiesbaden. Diplommeteorologe Dominik Jung gibt einen Ausblick auf das Vorweihnachtswetter in der Lausitz. Von Verena Ufer

Wann kommt der Winter, wann fällt überhaupt Schnee? Das beschäftigt viele RUNDSCHAU-Leser. Wieder einmal Anlass für ein Gespräch mit dem RUNDSCHAU-Wetterexperten Dominik Jung, Redaktionsleiter der Plattform wetter.net in Wiesbaden.

Wir haben im Sommer über die nicht enden wollende Dürre-Periode gesprochen, jetzt fällt offensichtlich der Winter aus. Oder er hat nur verpennt, wie sehen Sie das?

Jung Ja, eigentlich haben wir ja noch nicht einmal kalendarischen Winteranfang gehabt, der ist erst am 21. Dezember. Wir befinden uns eigentlich noch im Herbst. So gesehen darf sich der Winter noch Zeit nehmen. Auch wenn wir Meteorologen ab dem 1. Dezember von der Jahreszeit Winter sprechen. Das tun wir, weil wir statistisch besser in vollen Monaten abrechnen können.  Aber klar, die meisten Menschen sehen im Dezember schon einen Wintermonat. Keiner wird am 15. 12. sagen: Wir haben jetzt Herbst. Aber momentan ist von Winter nix zu spüren, es ist extrem mild. Am Montag hatten wir im Südwesten, am Rhein, sogar 17 Grad Celsius.

Richtiges Frühlingswetter.

Jung Ja, solche Temperaturen hätte man Ende März/Anfang April haben können. Die typische Westwind-Wetterlage ist wieder da nach Monaten der Abstinenz, in denen wir mit großer Trockenheit zu kämpfen hatten. Sturm, Wind und lokal viel Regen sind dafür charakteristisch – und das haben wir ja derzeit reichlich. Dazu kommt jede Menge milde Luft. Winterwetter hat  momentan gar keine Chance.

Schauen wir in die nahe Zukunft, also aufs Wochenende. Womit können wir in der Lausitz beim Weihnachtsmarktbesuch rechnen?

Jung Das zweite Adventswochenende beginnt schon am Freitag in der Lausitz mit viel Wolken und Regen. Die Temperaturen erreichen maximal elf Grad. Auch am Samstag gibt es bei acht Grad immer wieder Regenschauer. Und auch am Sonntag ist der Himmel bedeckt, und es fällt immer wieder etwas Regen.

Das hört sich aber echt gruselig an!

Jung (lacht) Ausschlafwetter!

Wir neigen ja dazu, oft zu behaupten: So war’s im Dezember noch nie... Aber Sie wissen, wie’s in Vorjahren aussah.

Jung In den vergangenen Jahren war es immer wieder mal sehr mild und  wechselhaft. Es ist jedenfalls nichts Außergewöhnliches, wenn die Temperaturen auch mal über zehn Grad raufgehen. Und es taucht auch das Weihnachtstauwetter immer wieder auf, eine sogenannte meteorologische Singularität. So’n Ding, dass es immer wieder direkt vor Weihnachten noch einmal richtig mild wird. Das könnte dieses Jahr auch passieren. Meist schlägt Winter erst im Januar/Februar richtig zu. Das ist tatsächlich die richtige Hochwinterzeit.

Das ist schade. Was erwartet uns nach dem 2.  Adventswochenende?

Jung  Da streift die Lausitz tatsächlich ein Hauch von Winter. Die Temperaturen gehen runter: Montag drei Grad, Dienstag zwei Grad, Mittwoch ein Grad. Donnerstag null Grad Celsius. Der Wind dreht auf nördliche Richtung. Und vielleicht fallen  sogar ein paar Schneeflocken, dann ist der Winter plötzlich da.

Fragt sich, wie lange er sich halten kann.

Jung Vielleicht sogar bis Weihnachten. Aber es ist noch nicht sicher. Am 3. und 4. Advent sind um die drei Grad maximal zu erwarten. Modellrechnungen reichen bis zum 20. Dezember. Zwei Grad sind da die Prognose. Bis zum 24. ist es noch zu lange hin für eine genaue Voraussage.

Wir müssen also  die Hoffnung auf weiße Weihnachten noch nicht begraben?

Jung Richtig. Wer Schnee haben will, kann darauf hoffen. Und wer keinen will, der ist eigentlich fast immer gut dran. Denn die Wahrscheinlichkeit für Flockenwirbel in tieferen Lagen unter 300 Metern liegt in Deutschland meist bei zehn Prozent. Eines von zehn Weihnachtsfesten ist im Schnitt weiß. Den vorerst letzten gesamtdeutschen Heiligen Abend in Weiß hatten wir 2010.

Welche Wintervorlieben haben Sie? Frost und Schnee, Winterwetter nur zwischen den Jahren? Oder würden Sie auf Winter ganz verzichten?

Jung Als Meteorologe bin ich ein Fan von spannenden Wetterlagen. Da wünsche ich mir eigentlich einen Winter mit sehr viel Schnee und extrem niedrigen Temperaturen. Mehr als 40/50 Zentimeter Schnee im Rhein-Main-Gebiet – das sähe schon cool aus!  So viel Schnee wäre aber auch ein Fluch. Und da ich als Wetterfachmann auch am öffentlichen Leben teilnehme, könnte ich dann sehen, wie ich zur Arbeit komme...Wahrscheinlich würde so ein extremer Winter das Rhein-Main-Gebiet samt Flughafen völlig lahmlegen.

Ihr Traumwetter kollidierte wahrscheinlich meistens mit der Realität?

Jung Man ist als Meteorologe stets zwiegespalten. Mein Traum wäre schon öfter mal richtig  cooles Wetter – mit Starkregen, heftigen Gewittern und Blitzen oder sogar Tornados.  Aber man darf dabei nicht vergessen, dass Menschen unter solchen Extremen leiden müssen. Dass zumeist große Schäden entstehen, dass es oft viele Opfer gibt. Man hätte gern manches Wetterextrem gesehen, wünscht es sich dann aber doch nicht.

Wird es ein weißer Winter oder eher nicht? Laut Wetterexperte Dominik Jung liegt Schnee im Rahmen des Möglichen. Übrigens: Der letzte Schnee ist noch gar nicht so lange her. Im März überraschte ein Wintereinbruch auch die Lausitz. Das Bild zeigt eine Allee bei Petersdorf am 7. März (li.), stark verschneit, und vier Tage später, nun bei frühlingshaftem Wetter.
Wird es ein weißer Winter oder eher nicht? Laut Wetterexperte Dominik Jung liegt Schnee im Rahmen des Möglichen. Übrigens: Der letzte Schnee ist noch gar nicht so lange her. Im März überraschte ein Wintereinbruch auch die Lausitz. Das Bild zeigt eine Allee bei Petersdorf am 7. März (li.), stark verschneit, und vier Tage später, nun bei frühlingshaftem Wetter. FOTO: dpa / Patrick Pleul