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Weniger Gewalt und gute Stimmung

Rund 5,6 Millionen Besucher aus aller Welt feierten das gestern zu Ende gegangene Oktoberfest.
Rund 5,6 Millionen Besucher aus aller Welt feierten das gestern zu Ende gegangene Oktoberfest. FOTO: dpa
München. Die Oktoberfest-Leitung feiert: weniger Stress, weniger Gewalt - aber auch weniger Besucher. Das Oktoberfest hat sich milder gezeigt als sonst. Und trotzdem seine Stellung als Nummer eins der Welt bewahrt. Andrea Hilscher / dpa/hil

Unspektakulär, ruhig und vor allem friedlich. Entspannte Gesichter bei Festleitung, Rettungskräften und Polizei: Das Oktoberfest ist ohne größere Zwischenfälle in die Endrunde gegangen. Es gab weniger Gewalt, weniger Diebstähle und weniger Notarzteinsätze. Allerdings kamen zum zweiten Mal in Folge deutlich weniger Besucher. Nach ersten Schätzungen waren es 5,6 Millionen, fast so wenige wie 2001 nach den Terroranschlägen von New York. Das reicht aber noch für das Prädikat "größtes Volksfest der Welt".

Nach den Anschlägen in Paris, Brüssel und Nizza, aber auch in Bayern herrschten die strengsten Sicherheitsvorkehrungen in der mehr als 200-jährigen Geschichte des Volksfestes. Rucksäcke und Taschen mit mehr als drei Litern Fassungsvermögen waren verboten, in kleinere guckten beim Einlass Ordner in schrillgelben und orangen Westen. Erstmals war das Gelände ganz umzäunt.

Unter den strengen Augen der Ordnungskräfte kehrten auf dem Hügel hinter den Zelten, wo sich sonst Taschendiebe über schlafende Alkoholopfer oder Männer über betrunkene Frauen hermachten, etwas bessere Sitten ein. Erst am dritten Tag sei über die Videokameras überhaupt das erste Grüppchen auf diesem "grünen Hügel" entdeckt worden, sagte Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins. Die Beamten erwischten manchen Übeltäter in flagranti. Insgesamt registrierten sie gut 15 Prozent weniger Delikte als im Vorjahr.

Von "Sicherheitswiesn" und "Oktoberfestung" war vor dem Fest die Rede. Mantraartig wiederholten die Verantwortlichen: Es gebe keine konkrete Anschlagswarnung. Dennoch, die Gewalt des vergangenen Jahres hat das Leben verändert und auch die Münchner in ihrer sonst stoischen Ruhe erschüttert. Zum Anstich hörten die Besucher in den Zelten erstmals den Hinweis: Gleich werde es Böllerschüsse geben, sie verkündeten nur Eröffnung des Festes und seien ganz normal.

Die Polizei zog eine überwiegend positive Bilanz. Insgesamt gab es 1067 gemeldete Delikte, fast 200 weniger als im Vorjahr. Allerdings hatte die Polizei mit einer steigenden Zahl von Sexualdelikten (2016: 31/2015: 21) zu tun. Die Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz blieben bis kurz vor Ende des Oktoberfests auf gleichem Stand (238/238). Die Zahl der Maßkrug-Schlägereien ging zurück (42/52). Auch die Zahl der registrierten Taschendiebstähle sank (203/300).