ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:47 Uhr

Neue Statistik
Weniger Drogentote in Deutschland

Eine benutzte Spritze liegt in einem Gebüsch in Berlin. Die Zahl der Drogentoten ist 2017 erstmals leicht zurückgegangen.
Eine benutzte Spritze liegt in einem Gebüsch in Berlin. Die Zahl der Drogentoten ist 2017 erstmals leicht zurückgegangen. FOTO: dpa / Felix Zahn
Berlin. Die Zahl ist erstmals wieder gesunken, aber rechnerisch sterben noch mehr als drei Menschen am Tag.

  Illegale Drogen haben erstmals wieder etwas weniger Menschen in Deutschland das Leben gekostet. Nach vier Jahren mit Zunahmen in Folge sank die Zahl der Drogentoten 2017 leicht auf 1272, wie die Bundesbeauftragte Marlene Mortler am Dienstag in Berlin bilanzierte.

Hauptursache für einen Drogentod sind nach wie vor Überdosierungen mit Heroin und Morphin. Darauf gingen 707 Todesfälle zurück, nachdem die Zahl im Jahr zuvor bei 789 gelegen hatte. Oft waren auch noch andere Substanzen im Spiel, die zeitgleich oder direkt im Anschluss konsumiert wurden. Bei Kokain und Crack stieg die Zahl der Toten dagegen nun von 71 auf 87.

Mit Sorge beobachten Fachleute eine immer größere Palette neuer meist synthetischer Wirkstoffe, die teils auch noch unter falschen Angaben angeboten werden. Keiner wisse so genau, was in neuen psychoaktiven Stoffen (NPS) drinstecke, sagt Ludwig Kraus, Leiter des Instituts für Therapieforschung in München. Anders als bei den akuten Vergiftungen stieg die Zahl der Abhängigen, die nach Langzeitschäden starben, von 154 auf 178.

Besonders im Blick stehen weiterhin vor allem Männer, die schon seit einiger Zeit zu illegalen Substanzen greifen. Rund 85 Prozent aller Drogentoten sind männlich, wobei das Durchschnittsalter mehr und mehr steigt, von 36 Jahren 2008 auf nunmehr 39 Jahre. Eine vergleichbare größere Risikogruppe unter sehr jungen Leuten machen die Experten zumindest bisher nicht aus: Unter den Drogentoten 2017 waren nur 30 unter 20 Jahre alt – mehr als 900 waren dagegen 30 Jahre und älter.

Ob sich der Rückgang insgesamt verfestigt, muss sich erst zeigen. Experten sind lieber vorsichtig. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Drogentoten in neun der 16 Länder zurück. Mehr wurden in Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen, Niedersachsen und Thüringen registriert – im Saarland blieb die Zahl stabil. Je 100 000 Einwohner die meisten Toten gab es in Berlin, die wenigsten in Mecklenburg-Vorpommern.

Überhaupt sei die etwas positivere Bilanz kein Grund zur Freude, sagt Mortler. Auch die aktuelle Zahl stehe für 1272 Lebenswege, die anders verlaufen seien, als man es sich gewünscht habe. Nötig sei weiter engagierte Vorbeugung, für die Kommunen auch genug Geld bereitstellen müssten. Bewährt hätten sich Therapien mit Ersatzstoffen, an die Patienten überall leichter herankommen müssten. Aufklärung gehöre auch in Firmen und Schulen.

Die Bundesbeauftragte Mortler lenkt den Blick auch auf legale Drogen wie Tabak und Alkohol und rund drei Millionen Kinder, die in Familien mit Suchtproblemen aufwachsen.