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Weimar: Geschichts- und Kulturort steht unwiderbringlich in Flammen

Weimar. Die Erinnerungen sind in Weimar sofort wieder da: Fast elf Jahre nach dem Brand der Anna Amalia Bibliothek steht jetzt die historische Viehauktionshalle in Flammen. Das Feuer lässt kaum etwas übrig. dpa/ik

Über die Ruine hat sich ein beißender Brandgeruch gelegt. Verkohlte Holzbalken liegen zwischen Mauerresten, aus denen auch Stunden nach dem vernichtenden Feuer noch weißer Qualm aufsteigt. Innerhalb kurzer Zeit haben sich in der Nacht zu Mittwoch die Flammen durch das Holzfachwerk gefressen und die historische Viehauktionshalle in Weimar in Schutt und Asche gelegt.

Kurz nach den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Befreiung des nahe gelegenen Konzentrationslagers Buchenwald ist ein wichtiger Gedenkort abgebrannt. Thüringens Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) sieht einen großen Verlust für die Erinnerung in dem Bundesland. Die Ende der 1930er-Jahre errichtete Viehauktionshalle mit dem 25 Meter hohen Spitzdach stand für den düsteren Teil der Geschichte der Klassikerstadt.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Halle zunächst als zentrales Ersatzteillager vom Heeresbauamt des Oberkommandos West genutzt. Ab Mai 1942 trieben dort jedoch die Nazis die Thüringer Juden vor der Deportation in die Vernichtungslager zusammen. Nach 1945 nutzten die sowjetischen Besatzungstruppen die Halle als Militärlager.

Der Missbrauch der Viehauktionshalle als Sammelstelle für jüdische Mitbürger während der Nazizeit gehöre genauso zum historischen Erbe wie die Nutzung als Kulturstandort, sagt Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD). In dem fast 2500 Quadratmeter großen denkmalgeschützten Gebäude im Norden der Stadt gab es in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Konzerte und auch Aufführungen des Kunstfestes Weimar. Die Internationale Bauausstellung (IBA) Thüringen wollte in der Halle Ende Mai eine Ausstellung eröffnen.

Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) zeigt sich betroffen: "Für mich brennt da ein Stück Herzblut." So dürfte es auch vielen Weimarern gegangen sein, die im Jahr 2004 den Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek verschmerzen mussten. Damals fielen 50 000 Bücher und wertvolle Gemälde den Flammen zum Opfer. Die Bibliothek aus dem Jahr 1565 erstrahlt inzwischen wieder in neuem Glanz.