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| 08:01 Uhr

Pazifikstaat Vanuatu
Was passiert, wenn eine ganze Insel umzieht

Tausende Einwohner der Insel Ambae wurden bereits auf Nachbarinseln evakuiert. Sie sollen schon bald dauerhaft dorthin umgesiedelt werden.
Tausende Einwohner der Insel Ambae wurden bereits auf Nachbarinseln evakuiert. Sie sollen schon bald dauerhaft dorthin umgesiedelt werden. FOTO: dpa
Sydney. Der kleine Pazifikstaat Vanuatu bereitet sich darauf vor, eine seiner Inseln komplett und dauerhaft zu evakuieren. Grund dafür ist Asche, die ein Vulkan ausspeit. Dadurch wurden Ernten zerstört, Trinkwasser und Luft sind verschmutzt. Barbara Barkhausen

Der kleine Pazifikstaat Vanuatu bereitet sich darauf vor, eine seiner Inseln komplett und dauerhaft zu evakuieren. Grund dafür ist Asche, die ein Vulkan ausspeit. Dadurch wurden Ernten zerstört, Trinkwasser und Luft sind verschmutzt.

Der Vulkan Manaro auf der Insel Ambae, die zu Vanuatu gehört. Hier ist er bei seinem Ausbruch Ende September vergangenen Jahres zu sehen.
Der Vulkan Manaro auf der Insel Ambae, die zu Vanuatu gehört. Hier ist er bei seinem Ausbruch Ende September vergangenen Jahres zu sehen. FOTO: ap

11.000 Menschen verlieren im pazifischen Inselstaat Vanuatu ihre Heimat. Zum zweiten Mal in nur sechs Monaten gefährdet der Vulkan Manaro das Leben Tausender auf der Insel Ambae. Nun hat die Regierung Vanuatus beschlossen, alle Einwohner bis Ende Mai umzusiedeln. Sie sollen dauerhaft ein neues Zuhause auf anderen Inseln finden. Regierungssprecher Hilaire Bule sagte kürzlich, er erwarte, dass der Ministerrat seines Landes einem Umsiedlungsplan bis kommende Woche zustimmen werde. Den betroffenen Einwohnern von Ambae werde angeboten, auf einer von zwei Nachbarinseln zu leben. "Es ist keine einfache Entscheidung", so Bule.

Die tropische Idylle im Südpazifik ist derzeit mit teils bis zu 30 Zentimeter Asche bedeckt. Häuser, Gemüsegärten und Felder sind versengt. Aus dem Krater tritt Gas aus, und die beißende Luft macht das Atmen schwer. Aschewolken verdunkeln den Himmel und bedrohen alles Leben auf der Insel.

Heftiger Ascheregen

Ambae Island ist die Heimat von insgesamt 11.000 Menschen. Diejenigen, die im Norden, Westen und Süden der Insel leben, sind am stärksten von der Asche betroffen. Viele der Insulaner sind verängstigt und wollen die Insel so schnell als möglich verlassen, sagte Nadia Kanegai, eine frühere Assistentin des Premierministers und Politikerin, dem Radiosender RNZ Pacific. "Der Ascheregen bedeckte einen Teil des westlichen Ambae, es war dunkel wegen des Rauches und die Bevölkerung musste in den Häusern bleiben und konnte nicht nach draußen kommen." Ein örtlicher Priester beschrieb die Situation ebenfalls als "verzweifelt", da den Einheimischen die Nahrungsmittel ausgingen, das Wasser mit Asche verseucht sei und sich Krankheiten ausbreiteten. Derzeit sind die Polizei und einige Hilfsorganisationen vor Ort. Auch die Armee soll bei den Massenevakuierungen helfen. Doch nicht die gesamte Bevölkerung ist mit den Umsiedlungsplänen der Regierung einverstanden. Einige haben keine Angst, und versuchen, sich dagegen zu wehren, da sie Land und Kultur verlieren.

Vanuatu ist ein gefährliches Pflaster: Naturkatastrophen wie Erdbeben, Tsunamis, Vulkanausbrüche, Wirbelstürme und Überschwemmungen suchen den Inselstaat im Pazifik heim, der zwischen den Salomonen, Fidschi und Neukaledonien liegt. Vanuatu toppt seit Jahren den Weltrisikoindex, den die Universität der Vereinten Nationen und das Netzwerk "Bündnis Entwicklung Hilft" herausgeben. Vanuatu verzeichnete 2006 zudem das weltweit vermutlich erste Dorf, dessen Bewohner aufgrund des steigenden Meeresspiegels umgesiedelt werden musste.

Trotz der regelmäßigen Katastrophen ist der Inselstaat nicht unbedingt auf Evakuierungen ausgerichtet. Bei der letzten großen Rettungsaktion im vergangenen Jahr mussten die Menschen ihre Rettung teils selbst in die Hand nehmen. Verwandte auf anderen Inseln würden Evakuierungszentren organisieren, ohne auf die "Regierung, die kein Geld und keine Ressourcen" hat, zu warten", schrieb Dan McGarry von der "Vanuatu Daily Post" in einem Artikel für den britischen "Guardian". Privatleute organisierten damals Schiffe und Fähren, Flugzeuge holten die betroffenen Menschen nach und nach von der Insel.