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Meteorid im Anmarsch
Kosmischer Warnschuss

Ein Asteroid kommt jetzt der Erde nah.Die Fotonachbildung zeigt das benachbarte Sonnensystem des jungen Sterns Epsilon Eridani und um ihn die zwei neu entdeckten Asteroidengürtel (gelber Innen- und Außenring).
Ein Asteroid kommt jetzt der Erde nah.Die Fotonachbildung zeigt das benachbarte Sonnensystem des jungen Sterns Epsilon Eridani und um ihn die zwei neu entdeckten Asteroidengürtel (gelber Innen- und Außenring). FOTO: dpa
Potsdam. Als vor wenigen Jahren ein Meteorit über dem russischen Tscheljabinsk zerbarst gab es mehr als Tausend Verletzte. Ein ähnlicher Brocken rast gerade auf die Erde zu. Doch er schrammt vermutlich knapp vorbei – ein kosmischer Warnschuss. Jan Selmons

Nur Knapp an einer kosmischen Kollision vorbei kommt die Erde am Donnerstagmorgen.Ein Asteroid kommt am dann der Erde ziemlich nah. Doch er wird der Erde nicht gefährlich, weiß der Asteroidenexperte Dr. Jürgen Rendtel vom Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam. Allerdings sei es spannend wie der kosmische Brocken sich in der Zukunft weiter bewegt, so Rendtel. Denn Fakt ist: Der Asteroid kreuzt die Bahn der Erde noch öfter. Groß wie ein Haus ist „2012 TC4“ in etwa und zieht laut Rendtel in einer Entfernung von gut 40 000 Kilometern an der Erde vorbei. Für kosmische Dimensionen ist die Entfernung quasi nichts.

Zum Vergleich: Satelliten rauschen in einer Entfernung von etwa 35000 Kilometern um die Erde.Ihnen droht allerdings keine Gefahr, wie der Potsdamer Astronom klar stellt. Denn über die Bahn von “2012 TC4“ ist viel bekannt. „Selbst in Berechnungen für den schlimmsten Fall bleibt der Asteroid auf Distanz zur Erde. 2012 entdeckt, kommt der Gesteinsbrocken von weit her, wie Rendtel erklärt –aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Auf seiner Bahn muss ihn etwas abgelenkt haben. Jürgen Rendtel kennt den Schuldigen:“ Jupiter ist der Störer, wie in 90 Prozent der Fälle. “

Spannend sei nun, wie sich der Körper weiter bewege. Denn auch die Gravitation der Erde hat beim Vorbeiflug Einfluss auf seinen Weg und den setzt „2012 TC4“ fort auf seinem Orbit bis er wieder den Weg der Erde kreuzt, erklärt der Astrophysiker. Vergleichbar ist der Himmelskörper mit dem Meteor von Tscheljabinsk, der am 15. Februar 2013 in der Stadt am russischen Ural für Aufregung und Zerstörungen sorgte. Der Meteor war beim Eindringen in die Atmosphäre zerbrochen. Die dadurch ausgelöste Druckwelle hatte beachtlichen Schaden angerichtet. Resultat 3700 beschädigte Gebäude, etwa 1500 Verletzte.

Sechs Städte waren betroffen, ein Fabrikdach stürzte ein. Doch der himmlische Besucher am Freitag bleibt auf so weiter Distanz, „dass er mit Amateurteleskopen kaum zu sehen ist“, beruhigt Jürgen Rendtel.Dabei ist er nach Angaben des Experten im kosmischen Schneckentempo unterwegs lediglich mit sieben Kilometer je Sekunde. Knapper wird es für die Erde erst wieder am 13. April 2029. Dann dürfte sich nach Angaben des Experten ein Asteroid bis auf 30000 Kilometer der Erde nähern. Doch auch Apophis, wie der Besucher heißt werde ungefährlich bleiben. Noch einmalknapp könnte es laut Rendtel erst im Jahr 2095 werden, wenn ein weiterer kosmischer Vagabund in Erdnähe erwartet wird.

Zur Person

Dr. Jürgen Rendtel (63) ist Physiker und Mitarbeiter am Astrophysikalischen Institut Potsdam und 1975 gründete er den Arbeitskreis Meteore.Zudem ist er Vize-Vorsitzender der International Meteor Organisation.