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| 19:48 Uhr

Tierische Besucher
Vollverpflegung für „Rüpel-Ronny“

 Storch Ronny und seine Partnerin Ronja bekommen jeden Tag frisch gefangenen Fisch aus dem Eimer.
Storch Ronny und seine Partnerin Ronja bekommen jeden Tag frisch gefangenen Fisch aus dem Eimer. FOTO: Volkmar Ernst
Glambeck. Vom Rüpel-Storch zum verantwortungsvollen Vater: Ein Dorf sorgt für einen komischen Vogel.

Wer hätte das gedacht? Als sich Storch Ronny vor drei Jahren in Glambeck niederließ, da sorgte Meister Adebar für Trubel. „Rüpel-Storch“ wurde er betitelt und sollte sogar eingefangen und umgesiedelt werden. Heute wird er mit Fischen gefüttert, damit er seine Brut durchbekommt.

Das Rüpel-Image war einst Folge seiner Partnersuche. Was weniger schön war, wenn er sein Spiegelbild in einer Fensterscheibe oder im Autolack sah, dann hackte er darauf kräftig ein, um seinen Nebenbuhler zu vertreiben. Dass sich die Glambecker über diese Angriffe, die Spuren im Autolack hinterließen, ärgerten, ist nachvollziehbar.

Doch das ist längst vergessen. Seit Ronny eine Partnerin hat und sich um Nachwuchs kümmern muss, gibt es Besseres zu tun, als sein Spiegelbild anzugreifen.

Auf dem Kirchendach wurde ein Horst angebracht, in dem er sich ein Nest bauen sollte – und Ronny tat es. In den zurückliegenden zwei Jahren gab es jeweils einen Jungstorch, der im Nest zu sehen war und den seine Eltern eifrig fütterten. Mit Fröschen oder Fischen, die sie in den nahegelegenen Gewässern fanden. Auch Regenwürmer und sogar Mäuse würden als Futter gern genommen, hat Wolfgang Ulrich festgestellt, als er seine Wiese mähte. „Ronny ist mir immer hinterhergelaufen und hat nach Fressbarem gesucht“, erzählt er.

Weil es in diesem Sommer so warm ist und die Gräben nur noch wenig Wasser führen, wird auch die Nahrungssuche für Ronny und seine Partnerin, der die Glambecker den Namen Ronja gegeben haben, immer schwieriger. Hinzu kommt, dass im Nest nicht nur ein Junges, sondern gleich drei Jungstörche zu sehen sind und auf Futter warten. Aus Angst, dass die Elterntiere nicht genügend Futter finden und dann womöglich eines der Jungtiere aus dem Nest werfen, haben sich nun Karin Brzoska und Wolfgang Ulrich als passionierte Angler zusammengetan und versorgen Ronny täglich zweimal mit Frischfisch: Plötzen, Rotfedern und andere heimische Kleinarten, die sie jeweils morgens und abends angeln. Täglich um 11 Uhr stellt Wolfgang Ulrich einen Eimer mit Fischen in seinen Garten. Ronny habe sich längst an diese Zeit gewöhnt. Kurz vor 11 Uhr steuert Ronny das Grundstück an und wartet auf den Eimer. Bis zu zehn kleine Fische frisst er und nimmt dann Kurs aufs Nest, um die Jungen zu füttern. Danach wird der zweite Schwung der gut 20 kleinen Fische geholt. Der Fang von Karin Brzos­ka ist für den Abend reserviert. „Ich habe mir sogar eine Dauerangelkarte geholt“, erzählt Karin Brzoska.

Ulrich und Brzoska gehen davon aus, dass die Jungtiere, die im April geboren wurden und schon eine stattliche Größe erreicht haben, Mitte August flügge werden. Wenn Familie Storch in Richtung Süden aufbricht, können Brzoska und Ulrich die Angel wieder auswerfen, um sich einen Fang für den heimischen Tisch an Land zu ziehen.

 Storch Ronny und seine Partnerin Ronja bekommen jeden Tag frisch gefangenen Fisch aus dem Eimer.
Storch Ronny und seine Partnerin Ronja bekommen jeden Tag frisch gefangenen Fisch aus dem Eimer. FOTO: Volkmar Ernst