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Skandalprozess in den USA
"Wohlstandskranker" Straftäter nach Alkoholfahrt auf freiem Fuß

Ethan Couch saß wegen einer Alkoholfahrt zwei Jahre in Haft.
Ethan Couch saß wegen einer Alkoholfahrt zwei Jahre in Haft.
Fort Worth. "Wohlstandskrank" sei er und nicht für den Tod von vier Menschen bei einer Alkoholfahrt haftbar zu machen, argumentierte Ethan Couch - mit Erfolg. Nach knapp zwei Jahren Haft ist er nun auf freiem Fuß.

Der junge Texaner Ethan Couch, der im Prozess um eine tödliche Alkoholfahrt erfolgreich auf "Wohlstandskrankheit" plädierte, ist nach fast zwei Jahren Haft auf freiem Fuß. Am Montag wurde er aus dem Gefängnis in Tarrant County nahe Dallas entlassen, wie ein örtlicher Polizeisprecher mitteilte. Wohin Couch ging, war zunächst unklar.

Der heute 20-Jährige war von einem Jugendgericht zunächst zu zehn Jahren auf Bewährung verurteilt worden, weil er im Sommer 2013 in Texas volltrunken mit einem schweren Geländewagen in eine Gruppe Menschen gerast war und dabei vier Personen getötet hatte.

Der Fall erregte auch deshalb Aufsehen, weil ihn die Verteidigung im Prozess als "Wohlstandskranken" darstellte, der von seinen Eltern verwöhnt und unmündig gemacht worden sei. Dafür prägte ein Experte den Begriff "affluenza", eine englische Wortmischung aus affluent (reich) und influenza (Grippe). Das vermeintliche Leiden wird vom amerikanischen Psychiaterverband jedoch nicht als medizinische Diagnose anerkannt. Das Gericht folgte der Darstellung dennoch und verhängte eine Bewährungsstrafe, was in der Öffentlichkeit für Spott und Empörung sorgte.

Verstoß gegen Auflagen

2015 verstieß Couch indes gegen Bewährungsauflagen - es tauchten Handy-Videos von offenkundigen Trinkgelagen auf, und Alkohol hatte das Gericht verboten. Der Teenager floh daraufhin mit seiner Mutter nach Mexiko, wurde dort aber später aufgegriffen und in die USA abgeschoben. Später war Couch dann zu fast zwei Jahren Haft verurteilt worden.

Diese Strafe hat er nun abgesessen. Doch werde er sich nun für sechs verbliebene Jahre seiner Bewährungsstrafe an Auflagen halten, die das Gericht verhängt habe, sagten Couchs Anwälte. Dazu gehört, dass der junge Mann ein Ortungsgerät tragen, eine Ausgangssperre ab 21:00 Uhr beachten und sich regelmäßig einem Drogentest unterziehen muss. Alkoholkonsum ist für Couch fürs Erste zudem tabu.

Massive Kritik an Freilassung

Seine Anwälte Scott Brown und Reagan Wynn veröffentlichten am Montag eine Erklärung, laut der sich ihr Mandant für sein Tun entschuldigte. Von Anfang an habe er echte Reue "ob der schrecklichen Konsequenzen seines Handelns" gezeigt, hieß es.

Die Organisation "Mothers Against Drunk Driving" veröffentlichte indes ebenfalls eine Stellungnahme, in der sie Couchs "Kurzaufenthalt in Haft eine krasse Ungerechtigkeit gegenüber den Opfern und deren Familien" nannte.

(mro)