ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:40 Uhr

Ur-Katastrophe der US-Raumfahrt

Am 28 Januar 1986 ging die Raumfähre "Challenger" in einem Flammeninferno unter.
Am 28 Januar 1986 ging die Raumfähre "Challenger" in einem Flammeninferno unter. FOTO: dpa
New York. Es sollte ein Festtag werden. Millionen Menschen auf der ganzen Welt verfolgten live den 25. Start eines Space Shuttles – und wurden dann Zeugen einer Katastrophe. Die Explosion der Raumfähre "Challenger" vor genau 30 Jahren war das bis dahin größte Unglück der Raumfahrtgeschichte. Christina Horsten

Auf der Besuchertribüne des Weltraumbahnhofs Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida saßen die Eltern der Grundschullehrerin Christa McAuliffe, die als erste Nicht-Astronautin mit in den Orbit fliegen durfte, und klatschten und jubelten. "Wir gehen auf volle Kraft", meldete Kommandant Francis Scobee aus der "Challenger" an die Bodenkontrolle.

Sekunden später ist alles anders. Wo gerade noch das Space Shuttle auf dem Weg in den Himmel zu sehen war, breiten sich große weiße Rauchwolken aus. Allen Zuschauern ist sofort klar: Keiner der sieben Menschen an Bord kann diese Katastrophe überlebt haben. Es ist die bis dahin schlimmste Katastrophe in der US-Raumfahrtgeschichte, erstmals überhaupt sterben US-Astronauten im Einsatz. Beim Apollo-Unglück 1967, bei dem drei Astronauten starben, hatte es sich nur um einen Bodentest gehandelt. Der frostige Dienstag mit dem strahlend blauen Himmel wird zu einem der schwärzesten Tage in der Geschichte der Nasa.

Millisekundengenau hat sie die Ereignisse festgehalten: 58,788 Sekunden nach dem Start bildete sich eine winzige Flamme an einer der Feststoffraketen. Rund fünf Sekunden später loderte bereits ein Feuer am Tankboden, dann umhüllt ein gelb-orangefarbenes Flammeninferno die Raumfähre. Nach 74,587 Sekunden zerbarst die "Challenger" in 16 Kilometern Höhe in Tausende Teile. Die verkohlten Überreste der Astronauten im Atlantik zu finden, dauert Monate.

Die Ursache des Unglücks ist schnell klar: Für Florida ungewöhnlich niedrige Temperaturen in der Nacht vor dem Start haben Dichtungsringe an einer der Antriebsraketen porös werden lassen. Während des Abhebens konnten heiße Gase entweichen, eine Kettenreaktion war unvermeidbar. Probleme mit der Dichtung waren der Nasa lange bekannt, auch die möglichen Folgen. Doch Konsequenzen gibt es erst nach dem Drama: Zweieinhalb Jahre müssen alle Shuttles am Boden bleiben und umkonstruiert werden.

Das Shuttle-Programm hat sich nie ganz von seiner Ur-Katastrophe erholt.