| 02:40 Uhr

Trauerfeier ohne Musik, aber mit viel Applaus

Mötzingen. Rund 1500 Zirkus-Leute und Schausteller aus ganz Deutschland sind auf dem Friedhof nach Mötzingen bei Tübingen gekommen, um den Opfern des Müllwagen-Unglücks das letzte Geleit zu geben. Die fünf Toten finden in nur drei Särgen die letzte Ruhe. dpa/fh

Ein Meer von Kränzen und Blumen schmückt die weißen Särge. "Uns bleiben fünf brennende Kerzen", ruft Zirkus-Seelsorger Johannes Bräuchle den Trauergästen zu. "Ihre Show ist vorbei." Von den "guten und frommen Zirkusleuten" spricht der Seelsorger in seiner kurzen Rede. Der kleine, nur wenige Wochen alte Junge liegt im Sarg seines Vaters, seine kleine Schwester im Sarg der Mutter. "Der letzte Vorhang, der schwarze Vorhang, ist gefallen", sagt Bräuchle.

Nur wenige Kilometer entfernt war vor gut einer Woche ein tonnenschwerer Müllwagen bei Nagold (Kreis Calw) außer Kontrolle geraten und hatte die junge Familie unter sich begraben. Die 25 Jahre alte Fahrerin, ihr Freund (22), die zweijährige Tochter und der nur wenige Wochen alte Sohn sowie die Schwester der Fahrerin (17) waren sofort tot. Es gibt keine Musik bei der Beerdigung, kein Lied. Das sei Wunsch der Angehörigen gewesen. Dafür aber gibt es einen Abschluss mit donnerndem Applaus. "Wir Zirkusleute leben vom Applaus", ruft Seelsorger Bräuchle - beinahe frenetisch klatschen die Trauergäste für jeden einzelnen Toten. Die Show gehe im Himmelreich weiter, fügt Bräuchle hinzu.