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| 14:25 Uhr

Sonnenbrillen, Rollstühle, Zahnersatz, Geldbörsen
Touristen füllen Fundbüro-Regale in Brandenburg und Sachsen

Auch Gebisse landen ab und zu in Fundbüros, sind aber eher selten. Geldbörsen, Rucksäcke, Smartphones, Schlüssel sind eher die „Vergessen-Klassiker“. Aktuell haben Fundbüros in Brandenburg und Sachsen gut zu tun. Denn besonders Touristen lassen im Urlaub gern mal was liegen.
Auch Gebisse landen ab und zu in Fundbüros, sind aber eher selten. Geldbörsen, Rucksäcke, Smartphones, Schlüssel sind eher die „Vergessen-Klassiker“. Aktuell haben Fundbüros in Brandenburg und Sachsen gut zu tun. Denn besonders Touristen lassen im Urlaub gern mal was liegen. FOTO: dpa / Peter Kneffel
Potsdam/Dresden. Das Smartphone im Nachttischschrank, die Brille im Restaurant, ein Rollstuhl in der Straßenbahn oder Gebisse: Die Fundbüros in Brandenburg und Sachsen werden in der Ferienzeit voller und voller.

Brandenburg wird bei Touristen immer beliebter. Mehr als 4,6 Millionen Übernachtungen haben Hotels, Pensionen und Campingplätze bis zum Juni registriert, wie die Tourismusmarketing Brandenburg (TMB) mitteilt. Und diese Gäste verlieren oder vergessen gerne mal etwas. Die Gegenstände landen dann oft im örtlichen Fundbüro.

„Ladekabel und Utensilien aus dem Badezimmer gehören zu den am häufigsten vergessenen Dingen bei Übernachtungsgästen“, sagt Sigune Schmidt-Ulbrich, Tourismusmanagerin in Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin). In Restaurants, Gaststätten, Biergärten und sogar am Imbiss werde oft die Brille liegen gelassen. Aber auch Autoschlüssel, Einkaufsbeutel oder Jacken und Regenschirme blieben oft liegen.

„Es gibt ein örtliches Fundbüro, in dem die Dinge dann aufbewahrt werden“, erläutert die Tourismusmanagerin. Meist würden die Inhaber der Gaststätten die Dinge vorbeibringen. Manche Gegenstände gingen auch für immer verloren. „Bei Paddeltouren landet die ein oder andere Brille im Wasser“, berichtet Schmidt-Ulbrich. Auch Smartphones sind schon in Brandenburger Gewässern untergegangen. Ein Gast habe bei einem örtlichen Kanuverleiher sogar seinen Verlust einklagen wollen, obwohl ihm zuvor eine Halteschnur angeboten worden sei, er diese aber abgelehnt habe.

Eigentümer der Fundsachen melden sich oft nicht

Mehr als 3000 Gegenstände, darunter auch die von Touristen, werden jedes Jahr im Fundbüro von Brandenburgs Landeshauptstadt Potsdam abgegeben. „Häufig melden sich die Eigentümer der Sachen nicht“, sagt Stadtsprecher Jan Brunzlow. Daher versuchten die Mitarbeiterinnen im Fundbüro, mögliche Hinweise an den Fundsachen für Rückschlüsse auf den Eigentümer zu entdecken.

Täglich kommen nach Angaben des Sprechers neue Gegenstände in die Schränke und Kammern des Fundbüros. Beispielsweise verlorene und vergessene Smartphones, Digitalkameras, Autoschlüssel – und sogar mal eine Drohne. Damit die Kammern und Kellerräume des Fundbüros nicht überquellen, würden brauchbare Gegenstände nach Ablauf der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist versteigert. Diese kann bis zu sechs Monate währen. Die nächste Auktion des Fundbüros ist am 23. August.

Einige Hotels senden ihren Gästen die Fundsachen direkt nach. So zum Beispiel das „Precise Resort Marina Wolfsbruch“ in Rheinsberg. „Wenn das Hauskeeping etwas findet, informieren wir die Gäste und schicken es bei Bedarf zu ihnen nach Hause“, sagt eine Hotelmitarbeiterin.

Rund 80 Sonnenbrillen, einen Sonnenschirm sowie eine Luftmatratze – diese Gegenstände haben Dresdner und Touristen allein im Juni und Juli in den Verkehrsmitteln liegen gelassen. Zudem seien trotz der aktuellen Hitze 81 Jacken im Fundbüro abgegeben worden, berichtet die Stadt. In den Regalen der Fundbüros der großen Städte stapeln sich demnach jährlich Tausende Gegenstände – von Handschuhen und Schmuck bis zum Zahnersatz.

Ausgerechnet im Sommer: viele Jacken-Funde

Nach Angaben der Stadt haben sich in Dresden im Fundbüro in diesem Jahr bisher rund 6500 neue Fundsachen angesammelt; vor allem Rucksäcke, Regenschirme, Schlüssel und Handschuhe. Das sei etwa so viel wie in den Vorjahren, heißt es. 2017 und 2016 waren es jeweils rund 12 500 Gegenstände, 2015 etwa 10 700. Einen Rollstuhl sowie einen Wagen zur Auslieferung von Zeitungen sind in einer Straßenbahn beziehungsweise im Bus zurückgelassen worden. „Ob die Sachen dort wirklich vergessen oder ob sie entsorgt wurden, ist offen“, sagt Nora Jantzen vom Presseamt. 2016 waren auch mal ein Vogelbauer dabei – ohne Vogel – sowie ein Hometrainer, 2017 eine Zahnprothese.

In Leipzig sind die Menschen nicht weniger schusselig und vergaßen Schlüssel, Geldbörsen, Dokumente sowie auch Taschen und Schmuck. Aber auch Gebisse oder Gehhilfen wurden abgegeben – oder komplette Einkäufe und Kinderwagen. Etwa 23 400 Fundsachen gelangten im vergangenen Jahr in das Leipziger Fundbüro. Die Tendenz sei steigend, heißt es.

Besonders viel Fundsachen nach Events

„Ein Unterschied zwischen Sommer und anderen Jahreszeiten ist nicht festzustellen“, berichtet ein Stadtsprecher. Aber wenn es große Veranstaltungen gebe, während der Ferienzeit oder am Wochenende, sei das zu spüren. Etwa die Hälfte der Funde stamme aus Bus und Bahn. Nicht abgeholte Gegenstände würden nach sechs Monaten versteigert oder bei Online-Auktionen angeboten. Gebrauchte Kleidung – wenn noch tragbar – werde wohltätigen Organisationen gespendet.

Jährlich etwa 7000 Fundsachen stapeln sich jährlich im Fundbüro in Chemnitz, darunter Dinge wie Badeschuhe, Badesachen und Sonnenbrillen. Aber auch Mobiltelefone oder erst frisch gefüllte Einkaufsbeutel sind dort schon gelandet – ebenso wie ein Rollstuhl oder ein Notstromaggregat und Zahnersatz.

Ladekabel fürs Mobiltelefon, Notizhefte, Kosmetikartikel und sonstige Bad-Utensilien sind hingegen Dinge, die Gäste im Chemnitzer Dorint Kongresshotel bei der Abreise gern zurücklassen. Wöchentlich gebe es zwei bis drei Fundsachen, sagt Dorint-Pressesprecher Johannes Keil. „Manchmal sind es aber auch ganze Kleidersäcke im Schrank. Wenn sich der Gast meldet, senden wir ihm die vermissten Dinge zu. Sonst entsorgen wir sie nach der gesetzlich vorgeschriebenen Aufbewahrungsfrist.“

In Bahn bleiben vor allem Rucksäcke stehen

In den Zügen der Bahn sind es naturgemäß vor allem Koffer und Rucksäcke, die herrenlos zurückbleiben, gefolgt von Handys und Geldbörsen, wie die Deutsche Bahn in Leipzig mitteilt. Seltener a sind es Zahnersatz, Kinderwagen, Anglerausrüstungen, Fernsehegeräte – aber eben schon vorgekommen. Demnach sind allein im Juni und Juli an den Fundstellen der Bahnhöfe in Dresden 575 und in Leipzig 692 Gegenstände abgegeben worden. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 532 und 785 Fundsachen. Die Anzahl in diesem Zeitraum schwanke immer etwas, sagt eine Bahnsprecherin.

(dpa/lsc)